6. Januar 2009 Seminar Herz-Jesu 
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Die ganze Wahrheit
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Die ganze Wahrheit

Gott Schöpfer

  · Gott, der Schöpfer der Welt.
  · Moderne Gottesleugnung
  · Der Darwinismus
  · Einige Beispiele

Schöpfung Gottes

  · "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1, 1)
  · Was ist Geist?
  · Die Engel
  · Die Erschaffung des Menschen
  · Adam und Eva
  · Der Sündenfall
  · Die Folgen der Sünde
  · Die Verheißung des Erlösers
  · Die Erbsünde

Christus

  · Gott ist dreifaltig
  · Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes
  · Sein Opfer für uns
  · Am dritten Tag auferstanden...

Kirche

  · Kirche - wozu?
  · Der Auftrag
  · Das Lehramt
  · Das Hirtenamt
  · Das Priesteramt - die Gewalt des Heiligens
  · Die Sakramente

Religionen

  · Sind alle Religionen gleich?
  · Die eine wahre Religion
  · Der Alte und der Neue Bund

Messe

  · Die heilige Messe
  · Die wahre Gegenwart Christi
  · Bestätigende Wunder
  · Das Kreuzesopfer unter uns
  · Der Priester
  · Heilige Kommunion

Beichte

  · Das Ziel
  · Der Weg
  · Die Sünde - Abkehr von Gott
  · Die schwere Sünde
  · Die läßliche Sünde
  · Das Heilmittel für die Sünde

Tod

  · Tod und Gericht
  · Das persönliche Gericht
  · Himmel, Hölle, Fegfeuer

Vollendung

  · Die Vollendung der Welt
  · Die Reinigung der Erde
  · Das Jüngste Gericht
  · Die endgültige Scheidung

Maria

  · Gottesgebärerin
  · Jungfrau und Mutter
  · Die Unbefleckte Empfängnis
  · In den Himmel aufgenommen
  · Maria Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden
  · Das Unbefleckte Herz Mariens


Gott Schöpfer

Gott, der Schöpfer der Welt.

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde", sagt uns die Genesis, das erste Buch der Heiligen Schrift. Gott hat die ganze Welt aus nichts erschaffen. Er ist nicht ein Teil dieser Welt und auch nicht irgendeine kosmische Kraft, sondern ein persönliches Wesen, das als Schöpfer der Welt als dem von ihm geschaffenen Werk gegenüber steht.

Diese Wahrheit, die für die Menschen früherer Zeiten selbstverständlich war, ist heute für viele fragwürdig geworden. Dabei braucht man für die einfache Tatsache, daß es Gott gibt, im Grunde nicht einmal die Lehre der Bibel, sondern es genügt dafür bereits der Gebrauch unseres Verstandes. Zwar ist Gott reiner Geist und darum für uns Menschen, die wir mit unseren Sinnen nur materielle Dinge wahrnehmen können, unsichtbar, aber von den geschaffenen Dingen können wir auf die Existenz Gottes zurückschließen. Denn wie soll man die Tatsache, daß es eine Welt und lebende Wesen gibt, vernünftig erklären, wenn nicht mit der Schlußfolgerung, daß es einen Gott geben muß, der diese Welt erschaffen hat? So schreibt auch der heilige Paulus: "Was nämlich unsichtbar ist an ihm (Gott), ist seit der Erschaffung der Welt an den geschaffenen Dingen mit der Vernunft zu sehen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit." (Röm. 1, 20)

Moderne Gottesleugnung

"Die Annahme, daß das Auge durch die Evolution entstanden sei, erscheint, wie ich offen bekenne, im höchsten Grade als absurd."
Charles Darwin


Zwar glauben heute manche immer noch, daß die Naturwissenschaft die Welt auch ohne Gott erklären könne, aber eigentlich müßte einem jeden, der über diese Frage einmal ehrlich nachgedacht hat, die Unsinnigkeit einer solchen These vollkommen klar sein. Die Naturwissenschaften untersuchen ja nur, wie die Welt beschaffen ist, aber sie können nie sagen, warum sie gerade so und nicht anders ist oder warum sie überhaupt existiert. Sie setzen immer voraus, daß es schon Materie und Naturgesetze gibt. Woher die Materie kommt und warum gerade diese und nicht andere Naturgesetze gelten, können sie nicht erklären.

Warum bewegt sich das Licht mit einer Geschwindigkeit von 300.000 km/sec und nicht mit 1.000 oder 1.000.000 km/sec? Warum ziehen sich Massen an? Sie könnten sich doch auch abstoßen oder gar keinen Einfluß aufeinander ausüben! Dann aber wäre die Existenz von Sonnensystemen und Galaxien unmöglich, denn diese beruhen auf dem Naturgesetz, daß sich Massen anziehen.

Der Darwinismus

"Die Entstehung des Lebens auf der Erde mit dem Zufall erklären heißt, von der Explosion einer Druckerei das Zustandekommen eines Lexikons zu erwarten."
Prof. Edwin Couklin, +1952, amerik. Biologe


Noch leichter erkennt man das Dasein Gottes aus der lebendigen Welt. Viele Wissenschaftler (aber keineswegs alle!) behaupten zwar, man könne die Entstehung des Lebens durch das Wirken des Zufalls erklären, doch das ist nur eine Ausrede, um nicht an Gott glauben zu müssen.

Der Evolutionsvertreter Ilya Prigogine (Vom Sein zum Werden, 1979, S. 95) gibt zu: "Selbst bei den einfachsten Zellen besteht die Stoffwechselfunktion aus mehreren tausend gekoppelten chemischen Reaktionen und setzt deshalb für ihre Koordination und Regelung einen delikaten Mechanismus voraus." Kann man vernünftigerweise annehmen, daß ein solch kompliziertes Gebilde durch Zufall entstanden ist, daß mehrere tausend Zufälle in der Ursuppe glücklich zusammengetroffen sind? Wenn man auf einer einsamen Insel einen Fotoapparat fände, würde auch niemand auf die Idee kommen, daß dieses Gerät durch eine glückliche Abfolge von Zufällen ganz von allein entstanden sein könnte. Wieviel komplizierter aber als ein Fotoapparat ist eine primitive Zelle!

Auch die Theorie, eine Art von Lebewesen habe sich aus einer anderen durch zufällige Mutationen entwickelt (Evolutionstheorie), erweist sich bei näherem Hinsehen als barer Unsinn.

Zunächst einmal müßte es dann eine Fülle von Übergangsformen von einer Art zur anderen geben. Tatsache aber ist, daß solche Übergangsformen praktisch völlig fehlen. Sodann ist klar, daß für die Entwicklung beispielsweise eines neuen Organes Hunderte und Tausende von Mutationen notwendig wären, die alle gleichzeitig zusammentreffen müßten, damit das neue Organ einigermaßen funktionsfähig sein könnte.

Einige Beispiele

"Wohin und wie weit wir also blicken mögen, zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung. Religion und Naturwissenschaft schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. – Gott steht für den Gläubigen am Anfang, für den Physiker am Ende allen Denkens."
Max Planck, + 1947


Wie sollte sich zum Beispiel die Linse unseres Auges entwickelt haben? Es genügte ja nicht, daß zunächst irgendein linsenartiger Körper im Auge herumschwamm, sondern dieser Körper mußte von Anfang an die Form und die Eigenschaften einer Linse haben, um einen Vorteil und nicht ein Sehhindernis zu bilden. Dann mußte diese Linse am richtigen Ort im Auge verankert sein. In unserem Auge gibt es sogar Muskeln , die je nach Blickweite die Form der Linse verändern. Was nützte nun aber das vollkommene Bild, das die Linse auf die Augenrückwand wirft, wenn es dort nicht eine Netzhaut gäbe, die das Bild aufnehmen und dem Gehirn weitermelden könnte, und was nützte die Netzhaut, wenn es nicht entsprechende Partien im Gehirn gäbe, die die von der Netzhaut kommenden Informationen auswerten könnten! Linse, Netzhaut und die entsprechenden Hirnpartien hätten sich also zufällig gleichzeitig entwickeln müssen, um einen Selektionsvorteil zu bieten.

Oder denken wir an die erstaunlichen Metamorphosen, die es im Tierreich gibt: Ein Schmetterling hat keinerlei Ähnlichkeit mit der Raupe, die er einmal gewesen ist. Wieviele Informationen müssen wohl im Erbgut der Raupe enthalten sein, damit sie sich zu einem Schmetterling entwickeln kann? Und alle diese Informationen müßten zufällig gleichzeitig im Erbgut entstanden sein, denn es ist offensichtlich, daß ein Tier, das halb Raupe und halb Schmetterling wäre, nicht lebensfähig und vor allem nicht fortpflanzungsfähig wäre.

Aber nicht nur solch komplizierte Entwicklungen, sondern auch viel einfachere Tatsachen kann die Evolutionstheorie nicht erklären. Betrachten wir zum Beispiel den Vogel Strauß. Er kommt praktischerweise mit Schwielen auf dem Steiß, der Brust und dem Schambein auf die Welt, d.h. an genau den Stellen, die später auf dem Boden aufliegen, wenn er sitzt. Man könnte nun meinen, der Strauß habe diese Schwielen im Lauf der Evolution entwickelt, so wie die Hand eines Menschen durch harte Arbeit schwielig wird. Das aber ist nicht möglich, denn Schwielen, die man sich durch Arbeit erworben hat, werden nicht vererbt. Wenn in einer Familie jahrhundertelang alle hart gearbeitet haben und Schwielen an den Händen hatten, so werden die Kinder doch immer noch ohne Schwielen geboren werden. Die Evolutionisten verlangen daher allen Ernstes, daß durch Zufall Gene entstanden, die zufällig genau an den richtigen Stellen und an keinen anderen Schwielen produzieren. Das verlangt viel Glaube!

An diesen und an unzähligen anderen Beispielen, die aufzuführen hier nicht der Raum ist, kann man sehen, daß mit ein oder zwei Mutationen noch gar nichts geschehen ist. Auf diese Weise kann man kleine Veränderungen und Anpassungen innerhalb derselben Art erklären, keineswegs aber die Entstehung neuer Arten oder neuer Organe.

Es ist ein Zeichen von tiefer Verblendung, daß ausgerechnet heute, wo wir die Wunder in der Natur viel besser kennen als frühere Zeiten, viele Menschen glauben, dies alles ohne Gott erklären zu können.

Man kann durchaus annehmen, daß es eine Entwicklung des Lebens auf der Erde gegeben hat. Aber dann war die Ursache dieser Entwicklung nicht der Zufall, sondern Gott, der Schöpfer allen Seins und Lebens.

Schöpfung Gottes

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1, 1)

"Im Anfang": Das bedeutet, es gab vorher nichts außer Gott, der von Ewigkeit her, ungeschaffen, ohne Anfang und ohne Ende existiert. Dann aber schuf Gott "Himmel und Erde", und seitdem gibt es noch etwas außer Gott: die Schöpfung. Seitdem gibt es Gott und die Schöpfung. Die Schöpfung umfaßt also alles, was es außer Gott, dem Schöpfer, gibt, die ganze geschaffene Welt. Im Lateinischen trägt sie daher den Namen "Universum", auf Deutsch "Weltall".

Wenn wir heute das Wort "Weltall" hören, denken wir sofort an den Weltraum, an Monde, Planeten, Sterne, Galaxien, an UFOs und "Starwars". Doch diese Vorstellung ist sehr einseitig und beschränkt. Die alten Griechen hatten noch eine weitaus erhabenere und umfassendere Vorstellung. Sie nannten das Weltall "Kosmos", was soviel bedeutet wie "Schmuck" oder "Ordnung", und sahen es entsprechend als ein wohlgeordnetes Ganzes, als einen hierarchisch gegliederten Bau, als eine Stufenleiter von niedrigeren zu immer höheren Wesen, von der reinen Materie bis zum reinen Geist.

Waren die Vorstellungen der alten Griechen auch noch von mancherlei Irrtümern durchsetzt, so kamen sie der Wahrheit doch sicherlich bedeutend näher als unsere einseitige moderne Vorstellung. Denn tatsächlich schuf Gott "Himmel und Erde", was deutlich eine geordnete Stufenfolge, eine Hierachie von oben ("Himmel") nach unten ("Erde") ausdrückt.

Und wirklich: Wenn wir nach unten blicken, so erkennen wir, daß es niedrigere Geschöpfe gibt als den Menschen. Da gibt es die reine Materie (z.B. Steine, aber auch Sterne, Planeten und Galaxien), dann gibt es die Lebewesen, die neben der Materie schon ein eigenes Lebensprinzip, eine Seele, haben, die Planzen zunächst und dann die Tiere. Und auch diese sind wieder reichlich abgestuft, vom primitiven Einzeller über Fische und Reptilien bis zum hochentwickelten Säugetier, dessen höchste Vertreter nicht nur ein menschenähnliches Aussehen haben, sondern auch noch ein menschenähnliches Verhalten an den Tag legen.

Über all dem aber steht der Mensch. Auch der Mensch besteht aus Materie, auch der Mensch hat eine Seele, ein Lebensprinzip, das über die Fähigkeiten der Pflanze (Wachstum, Nahrung, Fortpflanzung) und die der Tiere (z.B. Sehen, Hören, Fühlen) verfügt. Aber der Mensch kann noch mehr: er kann geistig erkennen und wollen. Und das kann auch das höchstentwickelte Tier nicht, weil es das nicht besitzt, was der Mensch besitzt: Geist. Der Mensch hat im Gegensatz zum Tier nicht nur eine Tierseele, sondern eine Geistseele. Er ist nicht nur ein Lebewesen, sonder ein geistiges Lebewesen, ein "animal rationale".

Was ist Geist?

Geist ist kurz gesagt all das, was es außer der Materie noch gibt, was weder selbst Materie (oder Energie) ist noch der Materie (oder Energie) bedarf, um zu sein oder zu handeln. Daß es geistige Realitäten gibt, können wir uns leicht klarmachen,wenn wir nur denken an Begriffe wie "Friede" oder "Liebe", die ja nichts Körperliches meinen, nichts, worauf man zeigen oder was man experimentell nachweisen kann; dennoch bezeichnen sie etwas Wirkliches, etwas Geistiges eben. Auch die Mathematik hat es mit geistigen Gegenständen zu tun. Zahlen sind nicht greifbar oder sichtbar, aber doch real.

Ebenso in der Kunst: Zwar sind die Kunstwerke selbst greifbar, hörbar, sichtbar; doch was ihren eigentlichen Wert ausmacht, was aus Farben, Klängen, Marmor oder was immer Kunst macht, ihre ästhetische Form nämlich, das ist rein geistig und nur geistig erkennbar. Darum können Tiere mit einer Beethoven-Symphonie so wenig anfangen wie mit der Mathematik oder einem Begriff wie "Frieden". Nur der Mensch kann diese Dinge verstehen, weil er ein geistiges Geschöpf ist.

Die Engel

Ist der Mensch also das höchste der Geschöpfe, oder gibt es noch höhere Geschöpfe über ihm? - "Gott ist Geist" (Joh. 4, 24), der Mensch aber besteht aus Geist und Materie. Er ist zwar ein Geistwesen, jedoch ein eher unvollkommenes, weil er an die Bedingungen der Materie gebunden ist.

Wir können also annehmen, daß Gott es nicht bei dem unvollkommenen Geistwesen Mensch belassen hat, sondern auch noch Geistwesen höherer Ordnung geschaffen hat. So wie er zwischen dem Menschen und der reinen Materie eine ganze Stufenleiter von Lebewesen geschaffen hat, so hat er zwischen sich, dem ungeschaffenen reinen Geist, und dem Menschen, dem geschaffenen Geistwesen niedrigster Ordnung, eine ganze Stufenleiter weiterer Geistwesen geschaffen, Geistwesen ohne Materie, geschaffene reine Geister: die Engel.

Daß es diese reinen Geister, die Engel, gibt, bestätigt uns die Heilige Schrift an zahllosen Stellen. Ein Engel hindert etwa Abraham an der Opferung seines Sohnes Isaak (Gen. 22, 9.19), ein Engel erscheint dem König David (2 Kg. 24, 17), der Engel Raphael begegnet uns als Reisebegleiter des Tobias (Tob). Auch im Neuen Testament treten die Engel häufig auf. Der Engel Gabriel verkündet der Jungfrau Maria, daß sie den Erlöser gebären soll (Lk. 1, 26 ff), Engel kommen und dienen dem Herrn in der Wüste (Mt. 4, 11), zwei Engel erscheinen den Frauen am Grab des Auferstandenen. (Joh. 20, 12)

Christus selbst spricht mehrfach von den Engeln: "Denn wenn sie auferstehen von den Toten, werden sie weder heiraten noch verheiratet werden, sondern sie sind wie die Engel im Himmel." (Mk. 12, 25) - "Seht zu, daß ihr keines von diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist." (Mt. 18, 10)

Die Heilige Schrift bestätigt damit nicht nur die Existenz der Engel, sondern auch die innige Beziehung, die zwischen den Engeln und den Menschen besteht. Engel und Menschen leben nicht in zwei verschiedenen Welten, sondern in einem einzigen Universum, das Geist und Materie umfaßt: "Himmel und Erde."

Die Erschaffung des Menschen

"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1, 1)

Der Mensch besteht aus Geist und Materie. Darum wird er die "Krone der Schöpfung" genannt, obwohl er noch Geschöpfe über sich hat, denn er ist ein "Mikrokosmos", ein Weltall im Kleinen; in ihm vereinen sich "Himmel und Erde".

Das ganze Weltall aber ist nichts als ein Abbild Gottes, in dem dieser seine unendliche, höchste Vollkommenheit in vielen endlichen, niedrigeren und höheren Vollkommenheiten offenbart. Daher ist auch der Mensch, dieses "Weltall im Kleinen", ein Abbild Gottes, das dessen unendliche Vollkommenheit offenbart.

Doch war es Gott nicht genug, den Menschen nur nach seinem Bild zu schaffen. Denn Gottes Vollkommenheit übersteigt auch das vollkommenste Abbild immer noch unendlich, weil er eben der ungeschaffene Gott ist und jedes Geschöpf immer nur Geschöpf bleibt. Gott wollte aber, daß der Mensch, die "Krone der Schöpfung", auch "nach seiner Ähnlichkeit" sei, d.h. daß er so gut wie für ein Geschöpf überhaupt möglich an der göttlichen Natur selbst teilhabe.

"Gott ist Geist" (Joh. 4, 24), und zum Geist gehört es, zu erkennen und zu wollen, d.h. zu lieben. Gott erkennt sich selbst vollkommen von Ewigkeit her, und er liebt sich selbst vollkommen von Ewigkeit her. Das ist das innergöttliche Leben der heiligsten Dreifaltigkeit. Und an diesem Leben wollte Gott dem Menschen Anteil geben: er sollte Gott schauen, wie er ist, und ihn vollkommen liebend ganz besitzen. Und darin besteht die Gottähnlichkeit nach 1 Joh. 3, 2: "Wir werden ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn schauen, wie er ist. "

Nun kann der Mensch zwar, weil er ein Geistwesen ist und daher Verstand und Willen hat, grundsätzlich Gott erkennen und lieben. Doch weil er nur ein endliches Geschöpf ist, kann er von Natur aus den unendlichen Gott nur sehr schwach und unvollkommen erkennen und lieben. Darum mußte Gott den Menschen über seine Natur, ja über jede geschaffene Natur hinaus, zur Übernatur erheben. Dazu ist es aber nötig, daß Gott dem Menschen eine besondere, übernatürliche Ausstattung verleiht, die das ermöglicht.

Diese übernatürliche Ausstattung nennen wir die "heiligmachende Gnade". "Gnade" heißt sie deshalb, weil sie dem Menschen von Gott aus reiner Güte geschenkt wird, nur weil Gott es so will, ohne irgendwelchen Anspruch von seiten des Menschen. "Heiligmachend" heißt sie, weil sie den Menschen tatsächlich heilig macht. Denn sie macht ihn "der göttlichen Natur teilhaftig" (2 Petr. 1, 4), und die göttliche Natur ist nichts anderes als Heiligkeit.

Jedoch muß der Mensch, weil er nicht Gott ist, sich die vollkommene Schau und den vollkommenen liebenden Besitz Gottes, d.i. die ewige Glückseligkeit, erst noch verdienen. Auch dazu braucht er bereits die heiligmachende Gnade, denn da das Ziel der ewigen Glückseligkeit übernatürlich ist, müssen es auch die Mittel sein, die dorthin führen. Die heiligmachende Gnade wird darum auch zunächst "Same der ewigen Glückseligkeit" genannt, denn mit ihr kann sich der Mensch die ewige Schau Gottes verdienen.

Adam und Eva

"Und Gott erschuf den Menschen nach seinem Bilde; nach dem Bilde Gottes erschuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie." (Gen. 1, 27)

Gott wollte, daß die Menschen alle durch das innigste Band der Liebe und der Verwandtschaft verbunden seien. Darum schuf er am Anfang nur zwei Menschen: Mann und Frau, Adam und Eva. Beiden gab er die gleiche menschliche Natur; darum heißt es: "Nach dem Bilde Gottes erschuf er ihn." Im Leib aber schuf er sie verschieden, als Mann und als Frau; darum heißt es: "Als Mann und Frau erschuf er sie."

Gott schuf Mann und Frau verschieden und doch ganz aufeinander bezogen, weil er wollte, daß sie sich in der Ehe auf das innigste vereinen und daß aus dieser Vereinigung das ganze Menschengeschlecht hervorgehe. So waren Adam und Eva ausersehen, die Stammeltern der ganzen Menschheit zu werden. Gott schuf sie darum nicht nur vollkommen an Leib und Seele, er verlieh ihnen auch die heiligmachende Gnade, stattete sie um der heiligmachenden Gnade willen mit einigen besonderen Gaben aus (z.B. der Leidensunfähigkeit und der Unsterblichkeit) und gab ihnen einen von ihm selbst angelegten, wundervollen Garten als Wohnort: das Paradies.

Doch damit Adam und Eva über all diesem Glück nicht vergaßen, daß sie noch zu einem viel höheren Glück berufen waren, nämlich zur Teilnahme am göttlichen Leben selbst, die sie sich im Paradies nur verdienen sollten, darum gab er ihnen ein besonderes Gebot: Er verbot ihnen, von einem bestimmten Baum im Garten zu essen.

Dieses Gebot war für Adam und Eva leicht zu erfüllen, denn dank ihrer besonderen Gnaden war bei ihnen die Vernunft vollkommen Herr über alle anderen Regungen. Es gab keine ungeordnete Lust in ihnen, wie sie sich bei uns oft zeigt. Auch hatten sie alles, was sie brauchten, im Überfluß. Das Verbot war nur dazu da, sie zu erinnern, daß sie nicht für ein ewiges Glück auf der Erde bestimmt waren, sondern für ein höheres Ziel.

Der Sündenfall

"Die Schlange aber war listiger als alle Tiere der Erde, die Gott der Herr gemacht hatte." (Gen. 3, 1)

Die Tatsache, daß die Schlange "listiger" war als alle Tiere der Erde, weist darauf hin, daß´hinter ihr mehr steckt als ein bloßes Tier: ein geistiges Geschöpf. Und welches geistige Geschöpf sich hinter der Schlange verbirgt, erfahren wir in der Offenbarung des hl. Johannes: "Und jener große Drache ward hiabgeworfen, die alte Schlange, welcher Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt verführt; er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen." (Off. 12, 9)

Die "Schlange" ist also der Teufel, und da dieser aus dem Himmel "hinabgeworfen" wird und mit ihm "seine Engel", kann das nur bedeuten, daß es sich beim Teufel von der Natur her um einen Engel handelt. Jesus Christus sagt von ihm, daß er "in der Wahrheit nicht standhielt" (Joh. 8, 44) und daher in das "ewige Feuer" kam, "das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist." (Mt. 25, 41)

Dies alles läßt darauf schließen, daß Gott auch die Engel zur Teilnahme an seiner göttlichen Natur bestimmt hatte. Ebenso wie die Menschen mußten auch sie sich diese Seligkeit erst noch verdienen, nur geschah das bei ihnen ihrer Natur gemäß mit einer einzigen Tat, in einem einzigen Augenblick. Denn da die Engel nicht an die Bedingungen der Materie gebunden sind, erkennen sie sofort, ohne langes Nachdenken, klar und ohne Irrtum, und treffen daher auch ihre Willensentscheidungen sofort, eindeutig und unwiderruflich.

Eine solche Willensentscheidung aber wurde von ihnen verlangt, ob sie sich nämlich von Gott in die ewige Glückseligkeit erheben lassen wollten oder nicht. Die Engel, die sich erheben ließen, gelangten sofort und für immer in die ewige Herrlichkeit Gottes. Das sind die guten Engel. Die Engel, die sich nicht erheben lassen wollten, wurden sofort und für immer von Gottes Angesicht hinweg in die ewige Verdammnis hinabgestoßen. Das sind die bösen Engel, die Dämonen, mit ihrem obersten Engel, Luzifer, Teufel oder Satan genannt.

Da im Himmel nun alles für sie entschieden war, wandten sich die Dämonen dem Tätigkeitsfeld zu, das ihnen noch blieb. Denn trotz ihres Sturzes behielten sie ihre Engelsnatur und ihre natürlichen Fähigkeiten unverändert. Darum widmeten sie sich nun ganz der Erde und deren Bewohnern, den Geistwesen niedrigster Ordnung: den Menschen. "Wehe aber der Erde und dem Meer; denn hinabgestiegen ist zu euch der Teufel voll grimmigen Zornes; er weiß, daß er eine kurze Frist hat. " (Off. 12, 12)

Es ist die Natur der Engel als Geistwesen höherer Ordnung, die Geistwesen niedrigerer Ordnung zu leiten. Daher leiten die guten Engel die Menschen durch gute Einsprechungen und Anregungen, um sie zu Gott, dem Ursprung und Ziel der Schöpfung, hinzuführen. Die bösen Engel dagegen leiten die Menschen, die sich ihnen überlassen, durch Lüge und Verführung, um sie von Gott abzuwenden und in die eigene Knechtschaft zu bringen. Das entspricht ihrem verhärteten Willen, der seit ihrer unwiderruflichen Entscheidung in der Abkehr von Gott und der stolzen Selbstsucht festliegt. Darum charakterisiert auch die Hl. Schrift den Teufel als den, "welcher die ganze Welt verführt". Die Verführung ist gewissermaßen sein Amt; er kann nicht anders.

Daher machte sich der Teufel auch sehr bald an das erste Menschenpaar im Paradies heran, um sie zu verführen. Und Gott ließ diese Versuchung zu, weil Adam und Eva durch die heiligmachende Gnade und ihre besonderen Gaben stark genug waren, ihr ohne jede Schwierigkeit zu widerstehen.

Doch Adam und Eva widerstanden nicht, und so pflanzte sich die Sünde der Engel in ihnen fort. Stolz wandten sie sich ab von Gott und wollten selbst sein wie Gott, "Gutes und Böses erkennend" (Gen. 3, 5). Nicht mehr Gott sollte über sie bestimmen, sie selbst wollten nun bestimmen, was gut und böse sei. Darum aßen sie vom Baum, von dem ihnen Gott verboten hatte zu essen.

Die Folgen der Sünde

"Da wurden beider Augen aufgetan; und da sie erkannten, daß sie nackt seien, flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Schürzen." (Gen. 3, 6)

Durch ihre Tat trennten sich Adam und Eva von Gott. Die Folge war, daß sie sofort die heiligmachende Gnade verloren, denn diese läßt die Menschen am Leben Gottes teilnehmen und kann daher in der Trennung von Gott nicht bestehen bleiben. Mit der heiligmachenden Gnade verloren sie aber auch alle besonderen Gaben, die ihnen um der Gnade willen verliehen worden waren.

Bisher waren durch die besondere Gabe der Integrität ihre Leidenschaften völlig der Vernunft unterworfen gewesen. "Sie waren aber beide nackt, Adam und sein Weib; und sie schämten sich nicht." (Gen. 2, 25) Jetzt aber werden ihre "Augen aufgetan", d.h. die Leidenschaften regen sich gegen die Vernunft, und sie "erkannten, daß sie nackt seien."

Ihre Liebe zu Gott ist erstorben, an ihre Stelle treten Angst und Furcht. Als sie die Stimme Gottes hören, "verbargen sich Adam und sein Weib vor dem Angesichte Gottes, des Herrn, inmitten der Bäume des Paradieses." (Gen. 3, 8) Sie haben das Band der Liebe und Freundschaft zerrissen und Gott schwer beleidigt. Zurecht fürchten sie nun seine strafende Gerechtigkeit.

Und Gott verkündet ihnen ihre Strafe. Sie haben nicht nur die Gabe der Leidensunfähigkeit und Unsterblichkeit verloren, sie müssen noch zusätzlich Mühen und Schmerzen auf sich nehmen, sie werden leiden, sterben und verwesen. "Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du zur Erde wiederkehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und sollst zum Staube zurückkehren." (Gen. 3, 18)

Daher können sie auch nicht länger im Paradies bleiben, wo das Leben wonnevoll und ohne Mühe war. "Da verwies ihn Gott der Herr aus dem Paradiese der Wonne, daß er die Erde bebaue, von der er genom -men worden." (Gen. 3, 23)

So verloren Adam und Eva durch ihre Tat die heiligmachende Gnade und ihre besonderen Gaben, sie erhielten besondere Mühen und Beschwerden als Strafe und wurden aus dem Paradies vertrieben. Und zu alledem wurde auch noch ihre Natur verwundet. Denn da ihr Verhältnis zu Gott in Unordnung geraten ist, ist auch ihr Inneres in Unordnung geraten. Daher neigt ihr Verstand nun zum Irrtum, ihr Wille zum Bösen, ihre sittliche Kraft ist geschwächt, die Begierlichkeit dagegen regt sich verstärkt.

Die Verheißung des Erlösers

"Und Gott, der Herr, sprach zur Schlange: Weil du dies getan hast, so bist du verflucht unter allem Vieh und unter den Tieren des Feldes: auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." (Gen. 3, 14)

Der Fluch, den Gott hier gegen die Schlange schleudert, gilt dem Teufel, dessen ewige Peinen seiner Untat wegen noch verschärft werden. Doch während Gott den Teufel, dessen Willen im Bösen unveränderlich festliegt, gnadenlos verflucht, gibt er den Menschen, die gesündigt haben, eine neue Hoffnung. Denn da die Entscheidungen der Menschen im Gegensatz zu denen der Engel nicht unwiderruflich sind, gibt es für Adam und Eva die Möglichkeit der Umkehr.

Daher verheißt Gott den Stammeltern, noch bevor er ihnen ihre Strafe verkündet, einen Erlöser: die Nachkommenschaft des Weibes, die der Schlange den Kopf zertreten wird. Gott verdammt also die Menschen nicht sogleich wegen ihrer Sünde. In seiner Barmherzigkeit stellt er ihnen die Erlösung in Aussicht und gibt ihnen Zeit zu Reue und Umkehr.

Die Strafen, die er danach über sie verhängt, sind daher auch nicht so sehr Vergeltungsstrafen als vielmehr Besserungsstrafen. Sie sollen die Menschen zu Gott zurückführen, indem sie ihnen ständig ihr Elend vor Augen stellen und ihnen so zeigen, wie nötig sie Gott brauchen. Und weil die Menschen selbst ihre Schuld nicht wieder gutmachen können, verspricht Gott einen Erlöser, der den Teufel besiegen wird. Durch den Glauben und die Hoffnung auf ihn sollen die Menschen gerettet werden.

Die Erbsünde

"Und Adam gab seinem Weibe den Namen Eva; deshalb, weil sie die Mutter aller Lebendigen war." (Gen. 3, 20)

Nach dem Willen Gotts sollten Adam und Eva die Stammeltern des ganzen Menschengeschlechtes sein. Darum segnet er sie und gibt ihnen den Auftrag: "Seid fruchtbar und mehret euch, und erfüllet die Erde." (Gen. 1, 28)

Mit der menschlichen Natur zusammen sollte von ihnen aus auch die heiligmachende Gnade und die sie begleitenden übernatürlichen Gaben an ihre Nachkommen übergehen. So wären alle Menschen vollkommen an Leib und Seele, im Stand der heiligmachenden Gnade, leidensunfähig, unsterblich und in völliger innerer und äußerer Harmonie zur Welt gekommen, um nach einem erfüllten, glücklichen Erdenleben direkt in die Anschauung Gottes, den Himmel, einzugehen.

Durch die Sünde unserer Stammeltern änderte sich das gründlich. Sie verloren alle diese Gaben, die ihnen als Häuptern des ganzen Menschengeschlechtes anvertraut worden waren, und konnten sie daher nicht an ihre Nachkommen weitergeben.

Das Erbe, das sie stattdessen weitergaben, sah folgendermaßen aus: Trennung von Gott, eine geschwächte und verwundete Natur, Leiden, Krankheit, Mühe und Tod, ohne Aussicht auf den Himmel. Dieses Erbe unserer Stammeltern ist bekannt unter dem Namen "Erbsünde"; denn mit "Sünde" bezeichnen wir den Zustand der Trennung von Gott, wovon alles andere die traurigen Folgen sind.

In dieser elenden Verfassung kommen seither alle Menschen zur Welt, weil alle Menschen Kinder Adams und Evas, der "Mutter aller Lebendigen", sind. Das wäre freilich ein Grund zum Verzweifeln, hätte Gott in seiner Barmherzigkeit nicht sogleich die Erlösung versprochen und sie dann auch tatsächlich gewirkt, so daß alle Menschen dennoch gerettet werden können.

Christus

Gott ist dreifaltig

Wenn wir das Geheimnis der Menschwerdung Gottes tiefer ergründen wollen, müssen wir uns zunächst vergegenwärtigen, daß Gott zwar nur ein Gott, aber ein Gott in drei Personen ist. Das ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit Gottes. Wir können uns die Dreifaltigkeit nicht vorstellen, weil in unserer Erfahrung eine Person immer nur ein Wesen besitzt, z.B. hat eine menschliche Person auch immer nur eine menschliche Natur. Das unendliche göttliche Wesen aber kann von drei Personen gleichzeitig besessen werden, vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist.

So können wir auch verstehen, daß Gott die Liebe ist, wie es der heilige Johannes in seinem Brief schreibt (1 Joh. 4, 8), denn Gott ist nicht allein, sondern die drei göttlichen Personen leben von Ewigkeit zu Ewigkeit in unaussprechlicher Liebe einander zugewandt.

Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes

Um uns zu erlösen, nahm nun die zweite göttliche Person, der Sohn Gottes, eine menschliche Natur von der Jungfrau Maria an und wurde somit ein Mensch wie wir, ohne aber aufzuhören Gott zu sein. Daher ist Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch. Er ist nicht ein Halbgott, wie man solche in manchen Religionen findet, sondern ganz Mensch und ganz Gott.

Weil er Gott ist, kann er aus eigener Vollmacht Wunder wirken, wie es die Evangelien berichten. Weil er Gott ist, kann er auch sagen: "Der Vater und ich sind eins" (Joh. 10, 30), und kann der Apostel Thomas vor ihm niederfallen und und ausrufen: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh. 20, 28)

Die Juden hatten gut verstanden, mit welch ungeheurem Anspruch Christus auftrat, denn sie warfen ihm vor: "Du, der du ein Mensch bist, machst dich selbst zu Gott", und wollten ihn deswegen steinigen ( Joh. 10, 33). Dies war auch der Grund, warum sie ihn schließlich zum Kreuzestod verurteilten, denn nachdem der Hohepriester Christus gefragt hat, ob er der Sohn Gottes sei und von ihm die Antwort erhalten hatte: "Ich bin es", zerriß er seine Kleider und rief aus: "Ihr habt die Lästerung gehört." Daraufhin ließ er Jesus zum Tode verurteilen (vgl. Mk. 14, 61 ff., Mt. 26, 63 ff.). Wenn Christus nur gemeint hätte, er sei Sohn Gottes, wie wir alle Kinder Gottes sind, hätte man dies wohl kaum als Gotteslästerung auslegen können.

Sein Opfer für uns

Weil Christus aber nicht nur Gott, sondern auch Mensch ist, konnte er für uns leiden. Er wollte durch sein Kreuzesopfer dem himmlischen Vater Genugtuung leisten für die unzähligen Sünden, mit denen die Menschheit sich befleckt und Gott beleidigt hatte.

Ist nun Gott ein rachsüchtiger Gott, der unbedingt Genugtuung für die Sünde fordert? Hätte Gott nicht auch ohne Wiedergutmachung, aus reiner Barmherzigkeit den Menschen ihre Sünden verzeihen können? - Ohne Zweifel hätte er das tun können. Es gab für Gott viele Möglichkeiten uns zu erlösen, aber er wählte diesen Weg, weil er so seine Liebe zu uns am besten offenbaren konnte. "Gott hat seines eingeborenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben", sagt der hl. Paulus (Röm. 8, 31), und Christus selbst spricht: "Eine größere Liebe hat niemand, als der sein Leben hingibt für seine Freunde" (Joh. 15, 13). Kein Mensch hätte dies hoffen dürfen, daß Gott ihn so liebt. Wir alle haben einen Freund, der für uns gestorben ist. "Er hat mich geliebt, er hat sich hingegeben für mich", ruft darum Paulus beglückt aus (Gal. 2, 20) und so jubeln mit ihm alle Christen.

Am dritten Tag auferstanden...

Den letzten und größten Beweis für die Wahrheit seiner Lehre und seiner Sendung hat Christus schließlich seinen Jüngern und uns allen in seiner Auferstehung von den Toten gegeben. Was ist nun von den Theorien zu halten, die sagen, Christus sei nicht wirklich, sondern nur im Glauben der Jünger auferstanden, oder die Apostel hätten gar den Leichnam Jesu gestohlen und die Auferstehung als Lüge verbreitet?

Betrachten wir dazu zunächst einmal die Situation am Karfreitag. Christus war, von seinen eigenen Jüngern verlassen, gestorben. Einer seiner engsten Vertrauten (Judas) war sein Verräter gewesen. Menschlich gesprochen war damit alles aus und vorbei. Dementsprechend reagierten auch die Jünger: Sie gingen nach Hause (Emmausjünger, Lk. 24, 13ff) oder versteckten sich ängstlich vor den Juden. Aus den Evangelien können wir die tiefe Hoffnungs- und Ratlosigkeit der Apostel und Jünger erspüren, die sie nach der Gefangennahme und Kreuzigung Jesu befallen hatte. Wie war es nun möglich, daß sie auf einmal wieder Mut fanden und überall Christus predigten, trotz aller Drohungen und Mißhandlungen von seiten des jüdischen Hohenrates? Das Evangelium sagt es unzweideutig: "Christus ist auferstanden!" Die Apostel nennen sich geradezu "Zeugen seiner Auferstehung" (Apg. 1, 22). "Ist Christus nicht auferweckt worden", schreibt Paulus an die Korinther, "dann ist unsere Predigt vergeblich, vergeblich euer Glaube. Dann werden wir sogar als falsche Zeugen Gottes befunden; denn wir hätten gegen Gott bezeugt, daß er Christus auferweckt habe, den er ja gar nicht auferweckt hat, wenn angeblich die Toten nicht auferweckt werden." (1 Kor. 15, 14-15)

Was nun die These von einem angeblichen Betrug der Jünger angeht, so weist Paulus in dem gerade angeführten Brief darauf hin, daß Christus nach seiner Auferstehung mehr als 500 Personen erschienen ist, von denen damals noch viele lebten, also als Zeugen befragt werden konnten (1 Kor. 15,6). Außerdem sollte man sich nur einmal vor Augen halten, daß alle Apostel (mit Ausnahme von Johannes) für ihren Glauben das Martyrium erduldeten. Sie hätten ihr Leben durch die Verleugnung Christi leicht retten können, haben es aber nicht getan. Für eine Lüge geht man nicht in den Tod!

Aber nicht nur sie, sondern Tausende und Abertausende von Menschen haben seither ihr Leben für den Glauben an Christus hingegeben. Auch sie hätten sich zumeist leicht retten können, wenn sie ihren Glauben widerrufen hätten. Doch lieber wollten sie bis in den Tod dem treu sein, der zuerst für sie in den Tod gegangen war. Will man sie alle für fanatische Phantasten oder irregeführte Dumme halten?

Kirche

Kirche - wozu?

Der menschgewordene Sohn Gottes verbrachte von den 33 Jahren seines Lebens nur drei mit dem öffentlichen Wirken. Während dieser Zeit lehrte er, gab Anweisungen, heilte die Kranken an Seele und Leib. Es strömten viele Menschen zusammen, wenn er in eine Stadt einzog, doch - was sind schon ein paar Tausend gegen die Milliarden, die seitdem gelebt haben und bis zum Ende der Welt noch leben werden? Sollten die Wohltaten seines Evangeliums, sollte die Erlösung auf so wenige beschränkt bleiben, die das Glück hatten, in den Jahren 30-33 ausgerechnet in Palästina zu leben? Nein, Gott wollte es den Menschen möglichst leicht machen, der Früchte der Erlösung teilhaftig zu werden. Daher berief er die Apostel, die nach seinem Leiden und Sterben sein Werk in der Zeit fortsetzen und über die ganze Welt ausbreiten sollten. Den heiligen Petrus (und in ihm dessen Nachfolger) machte er zu dem Fundament, auf das er seine Kirche gründete.

Der Auftrag

Besonders nach seiner Auferstehung erklärte der Herr den Seinen ihre Aufgabe. Vieles, was er darüber zu ihnen sprach, wurde nicht in der Bibel aufgeschrieben, das Wichtigste ist jedoch klar gesagt, so z.B. Mt. 28, 18-20: "Mir (Christus) ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. So geht denn hin und lehret alle Völker, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt."

Mit diesen Worten übertrug der Herr das dreifache Amt, das er, der Gottmensch, während seines irdischen Lebens mit höchster Autorität ausgeübt hatte: das Lehramt ("lehret alle Völker"), das Priesteramt "taufet!") und das Hirtenamt ("lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe!")

In diesen drei Ämtern wurde der heilige Petrus nicht nur über die Gläubigen, sondern auch über die übrigen Apostel gestellt. Nachdem der Herr ihm zweimal die Leitung seiner Lämmer befohlen hatte, sprach er beim dritten Mal zu Petrus: "Weide meine Schafe!" (Joh. 21, 16ff) So ist der Nachfolger des heiligen Petrus, der Papst, der Stellvertreter Christi auf Erden, auch über die Bischöfe gestellt.

Das Lehramt

Im Markusevangelium finden wir folgende Worte: "Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden." (16, 16)

Die Bedingung gerettet zu werden, ist also der Glaube an das von den Aposteln verkündete Evangelium, die Lehre Christi. Damit aber die Kirche das Evangelium stets wahrheitsgemäß verkünden könnte, verlieh er ihr den Beistand des Heiligen Geistes, kraft dessen sie unfehlbar ist, wenn sie in Fragen des Glaubens und der Sitten eine endgültige Entscheidung trifft. So ist die katholische Kirche Zeugin der göttlichen Wahrheit, aber auch Auslegerin ihrer Lehre und der Hl. Schrift, sowie Richterin bei Kontroversen in Glaubensfragen. Welche Autorität der Herr der Kirche gab, zeigen uns seine Worte im Lukasevangelium: "Wer euch hört, der hört mich; wer euch verwirft, der verwirft mich; wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich gesandt hat." (10, 16)

Wie wichtig dieses Lehramt ist, erkennt man an der Tatsache, daß sich alle, die sich von der katholischen Kirche getrennt haben, in ungezählte weitere Sekten gespalten haben, da man sich über die Lehre nicht mehr einig wurde. Wer soll auch die wahre Lehre garantieren, wenn nicht das katholische Dogma, an dem alle lebendigen Glieder der Kirche durch die Jahrhunderte unentwegt festgehalten haben und welches mit der Unterordnung unter die von Christus eingesetzte Hierarchie und mit der Teilnahme an den Sakramenten das einigende Band der Gemeinschaft der Gläubigen bildet.

Das Hirtenamt

Christus selbst übergab dem heiligen Petrus und in ihm dessen Nachfolgern die Leitung der von ihm gestifteten Kirche: "Du bist Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was immer du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein." (Mt. 16, 18 ff) Mit der Übergabe des Schlüssels ist die Übertragung der Verwaltung ausgedrückt. Die Binde- und Lösegewalt wird z.B. im Bußsakrament, durch das der Bekennende von seinen Sünden befreit wird, sichtbar. Sie bedeutet aber auch die Vollmacht der Kirche, den Gläubigen Gebote aufzuerlegen. Die Bischöfe nehmen als Nachfolger der Apostel z.B. in ihren Diözesen oder bei Konzilien dem Papst untergeordnet an der Leitung der Kirche teil. Den Bischöfen sind die einfachen Priester unterstellt. Die Kirche ist also nicht etwa eine reine Geistkirche, sondern auch eine sichtbare, hierarchisch strukturierte und vollkommene Gemeinschaft. Sie muß sichtbar sein, damit sie von allen Menschen als die wahre und von Gott gestiftete Kirche erkannt werden kann.

Das Priesteramt - die Gewalt des Heiligens

Die ewige Seligkeit setzt eine makellose innere Beschaffenheit der Seele voraus. Es genügt also nicht, geglaubt und äußerlich der Kirche angehört zu haben. Vielmehr muß die Seele von ihren Sünden gereinigt und mit der heiligmachenden Gnade, die ein übernatürliches Geschenk ist, geschmückt sein. Die Reinigung von der Sünde und das Erlangen der Gnade, fassen wir beides kurz mit dem Wort "Heiligung" zusammen. Das muß während des irdischen Lebens geschehen. Schon dieses Leben soll durch und durch geheiligt sein, geprägt durch die Freundschaft mit Gott.

Alle Gnaden schenkt Gott den Menschen durch die Vermittlung der Kirche, deren unsichtbares Haupt Christus ist, die Quelle der Gnade. Weil aber die Kirche eine sichtbare ist, deshalb beauftragte Er vor allem ihre Diener, die dazu geweihten Priester, mit der Ausspendung der Gnade, besonders mittels der Sakramente.

Die Sakramente

Die sieben Sakramente sind Gnadenmittel. Es sind von Christus eingesetzte, äußere Zeichen, welche bestimmte Gnaden andeuten und dieselben zugleich im Menschen, der sie empfängt, bewirken.

So deutet das Übergießen des Täuflings mit Wasser das Abwaschen der Erbsünde (falls vorhanden auch persönlicher Sünden) an. Aber die Taufe ist, wie jedes Sakrament, nicht bloß eine symbolische Handlung, sondern kraft dieses Sakramentes wird die Seele tatsächlich von jeder Schuld gereinigt und erhält die heiligmachende Gnade, wodurch der Mensch Kind Gottes und Erbe des Himmels wird.

Damit der Getaufte im Stand der Gnade gefestigt und zum öffentlichen Bekenntnis des Glaubens gestärkt wird, erhält er das Sakrament der Firmung. Das dritte Sakrament, die hl. Eucharistie, wurde von Christus als das Opfer des neuen Bundes eingesetzt. In der hl. Messe wandelt Christus durch den Priester Brot und Wein in sein Fleisch und Blut. Er selbst hat es so angeordnet, weil er die Speise unserer Seele, eine übernatürliche Stärkung sein und uns so in eine immer tiefere Vereinigung mit ihm führen wollte. Zudem sollte uns so ein Gedächtnis seines Leidens und Todes und ein kostbares Unterpfand seiner Liebe zu uns gegeben werden.

Im Bußsakrament werden die Sünden getilgt, in die man nach der Taufe gefallen ist. So ist nach dem Fall immer die Möglichkeit zum Neuanfang gegeben. Bei schwerer Krankheit wird das Sakrament der Letzten Ölung oder Krankensalbung gespendet, wodurch die Sünden getilgt werden, wenn sie der Kranke trotz seiner Reue aus Schwäche eventuell nicht mehr beichten kann. Vor allem wird er aber durch dieses Sakrament für den Todeskampf gestärkt. Eine dritte Wirkung der Krankensalbung kann die Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit sein, wenn nämlich Gott voraussieht, daß dies für das Seelenheil des Kranken gut wäre.

Die schon erwähnte Priesterweihe und die christliche Ehe haben schließlich eine Aufgabe vor allem in bezug auf die Gemeinschaft der Gläubigen, wie dies bei der Priesterweihe schon gezeigt wurde. Im Sakrament der Ehe erhalten Mann und Frau von Gott den Auftrag, Kinder zu zeugen und sie so zu erziehen, daß sie einmal wahre Christen und letztlich Bürger des Himmels werden können. Die gegenseitige Liebe der Eheleute soll auch ein Abbild jener wunderbaren Liebe sein, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht (vgl. Eph. 5,22ff.).

Religionen

Sind alle Religionen gleich?

"Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende." (Off. 22, 13)

Der Mensch geht von Gott aus, um zu Gott zurückzukehren. Gott ist sein Ursprung und sein Ziel. Der Mensch wird von Gott geschaffen, um in Gott sein volles Glück und seine letzte Bestimmung zu finden. Dazu ist er auf Erden.

Darum wohnt im Menschen von Natur aus der Drang nach Gott. Äußert sich dieser Drang und verleiht der Mensch ihm Ausdruck und Gestalt, dann sprechen wir von "Religion" im Sinne von "relegere", was soviel bedeutet wie nachdenklich sein angesichts einer wichtigen Sache. Eine solche Religion kann subjektiv, d.h. persönlich, bleiben, oder sie kann sich objektivieren in Lehren, Strukturen und Riten. Letzteres ist meistens der Fall.

Der Mensch kann jedoch durch seine natürlichen, endlichen Bemühungen niemals den absoluten, unendlichen Gott erreichen. Damit seine Anstrengungen also erfolgreich sind und eine Verbindung tatsächlich zustandekommt, ist es nötig, daß Gott selbst sich herabläßt und diese Verbindung herstellt. Wo Gott dies tut und so dem inneren Drang des Menschen antwortet und entspricht, reden wir von einer wahren Religion im Sinne von "religare", was soviel bedeutet wie verbunden sein.

Die wahre Religion kommt nicht mehr vom Menschen, sondern von Gott! Darum prägt bei ihr nicht die subjektive, vom Menschen ausgehende Religion die objektive, sondern umgekehrt, die von Gott ausgehende objektive Religion prägt die subjektive des Menschen. Nicht mehr der Mensch verleiht hier seinem subjektiven Drang Ausdruck, sondern Gott selbst setzt den objektiven Rahmen, in dem der Drang des Menschen eben nicht ins Leere geht, sondern sein Ziel erreicht.

Eine solche wahre Religion kann daher nie rein subjektiv sein. Sie muß immer objektiv sein, d.h. sie hat eine bestimmte Lehre, eine bestimmte Struktur und bestimmte Riten, und all das nicht durch rein menschliche, sondern durch göttliche Einsetzung.

Die eine wahre Religion

"Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allen ist und vor allen und in allen." (Eph. 4, 5f)

Die Menschen sind viele, Gott aber ist nur einer, und er allein ist Ursprung und Ziel aller Menschen. Darum gibt es viele Religionen, aber nur eine wahre Religion, die die Menschen auch wirklich mit ihrem Ursprung und Ziel verbindet, mit dem "Gott und Vater aller". Da die wahre Religion nur eine ist, aber von Gott für alle Menschen aller Zeiten bestimmt ist, nennen wir sie allumfassend, universal, oder nach dem Griechischen "katholisch", was dasselbe bedeutet.

Diese Religion wurde von Christus, dem menschgewordenen Gott, selbst gegründet. Er gab ihr seine Lehre, die wir Offenbarung nennen oder Glaubensgut; er gab ihr eine Struktur, nämlich die Kirche, die wir wegen ihrer Gründung auf ihre oberste Autorität, den Papst, Bischof von Rom, und wegen ihrer Universalität die "römisch-katholische" nennen; er gab ihr die Riten, nämlich die Sakramente und allen voran das hl. Meßopfer. Und darum heißt es: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe."

Das ist die objektive wahre Religion. Der Mensch entspricht ihr subjektiv, indem er die Offenbarung im Glauben annimmt, indem er durch die Taufe der Kirche eingegliedert wird, indem er an den Sakramenten und besonders an der hl. Messe teilnimmt. Auf diese Weise gelangt er zur echten Verbindung mit Gott. "Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet." (Mk. 16, 16)

Die wahre Religion kommt von Gott. Der Mensch verbindet sich mit Gott, indem er die wahre Religion annimmt. Dazu muß er aber die ganze Religion annehmen, soweit er sie erkennt. Es genügt also nicht, wenn er vom Glauben nur soviel annimmt, wieviel ihm gut oder verständlich erscheint; es genügt nicht, nur den Glauben anzunehmen, nicht aber auch die Struktur der Kirche mit dem Papst und den Bischöfen oder die Sakramente mit der hl. Messe. Hier eine Auswahl zu treffen heißt, nicht die wahre Religion von Gott anzunehmen, sondern sich aus deren Elementen eine eigene menschliche Religion zurechtzulegen, die deswegen keine Verbindung mit Gott schafft.

Zwar kann sich Gott auch von einem Menschen finden lassen, der ihn aufrichtig sucht, aber ohne eigene Schuld von der wahren Religion nichts oder nur Ungenügendes weiß. Doch findet ein solcher Mensch mit Gott zugleich die wahre Religion, mag es ihm auch nicht bewußt sein. Denn er ist mit Gott in Verbindung, und das bedeutet ja eben wahre Religion.

Ein solcher Mensch nimmt daher grundsätzlich den ganzen Glauben an, selbst wenn er nur wenig davon weiß; er nimmt das an, was er weiß und würde alles annehmen, wenn er alles wüßte. Ein solcher Mensch empfängt auch die Taufe, mindestens die "Begierdetaufe", d.h. er wünscht getauft zu werden, wenn es möglich wäre, oder er würde es doch wenigstens wünschen, wenn er darum wüßte; und dadurch wird er bereits ein Glied der Kirche. Ein solcher Mensch würde auch an den Sakramenten teilnehmen, wenn es ihm möglich wäre und er davon wüßte. Ein solcher Mensch findet Gott also in der wahren Religion, nicht in einer anderen.

Der Alte und der Neue Bund

"Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird." (Lk. 22, 20)

"Denn unser Gott ist im Himmel, er tut alles was er will. Die Götzen der Heiden sind Silber und Gold, Werke von Menschenhänden." (Ps. 113, 11 ff)


Weil die katholische Religion den Menschen wahrhaft mit Gott verbindet, nennen wir sie einen Bund. Es ist ein Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat: der Neue Bund. Es gab auch einen Alten Bund.

Dieser Alte Bund war die jüdische Religion. Auch die jüdische Religion wurde von Gott gegründet. Aber sie war nur eine vorbereitende Religion, eine vorläufige Religion. Es war eine Religion nur für ein Volk, noch nicht für alle Menschen. Durch sie sollte das Volk Israel auf die Menschwerdung Gottes vorbereitet werden, die sich in eben jenem Volk ereignen sollte.

Als aber der menschgewordene Gott seine neue und eigentliche Religion, die nun für alle Menschen war, begründet hatte, da hatte die alte Religion ihren Zweck erfüllt und war überflüssig geworden. Der Alte Bund wurde abgelöst durch den Neuen Bund, die jüdische Religion durch die universale, katholische.

Von diesem Neuen Bund spricht schon der Prophet Jeremias im Alten Testament: "Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließe, nicht einen Bund, wie ich ihn mit ihren Vätern geschlossen, am Tage, da ich ihre Hand ergriff, um sie aus dem Lande Ägypten zu führen." (Jer. 31, 31 ff)

Und im Neuen Testament heißt es zu dieser Stelle: "Da er aber von einem neuen Bund redet, macht er den ersten zu einem alten. Was aber veraltet ist und greisenhaft, ist dem Vergehen nahe." (Hebr. 8, 13) Im 2. Korintherbrief steht: "Denn bis auf den heutigen Tag liegt dieselbe Hülle über der Lesung des Alten Bundes, ohne daß sie weggenommen würde, nachdem er doch mit Christus ein Ende nahm." ( 2. Kor. 3, 14)

Den Alten Bund gibt es also nicht mehr. Es gibt nur noch den Neuen Bund. Es gibt nur eine einzige wahre Religion: die katholische. Nur in ihr können die Menschen Gott, ihr Ziel, nach dem der Drang ihres Herzens geht, auch wirklich finden. In keiner anderen Religion können die Menschen mit Gott in Verbindung treten, denn all diese Religionen sind reines Menschenwerk, nicht Gottes Werk. Gott aber kann in reinem Menschenwerk nicht sein.

Messe

Die heilige Messe

Wenn jemand eine Heldentat vollbracht hat, setzt man ihm zur Erinnerung daran ein Denkmal. Die entscheidenste Tat der Weltgeschichte ist nun aber der Kreuzestod Jesu Christi, da durch ihn die Welt, die durch die Sünde in die Gottesferne gefallen war, erlöst worden ist. Auch für diese Tat gibt es ein Denkmal: die heilige Messe.

Freilich ist dieses Denkmal viel vollkommenerer Art als die Denkmäler, die von Menschen gemacht worden sind. Es ist nicht nur ein totes Gebilde, das in uns bloß die Erinnerung an etwas wachrufen würde, was vor fast 2000 Jahren geschehen ist, sondern viel mehr: Die heilige Messe ist nicht nur Erinnerung, sondern auch Vergegenwärtigung und unblutige Erneuerung dieses einen Opfers Jesu Christi. In geheimnisvoller Weise wird das Kreuzesopfer Christi in jeder Messe gegenwärtig.

Die wahre Gegenwart Christi

Daher werden in der Messe nicht etwa nur Brot und Wein geopfert, sondern wie am Kreuz - der Leib und das Blut Jesu Christi. Was Christus beim letzten Abendmahl, also unmittelbar bevor er hinging, um zu leiden, getan hat, das tun seine Priester gemäß dem Auftrag Christi (Lk. 22,19) seither immer wieder: Sie verwandeln Brot und Wein in den Leib und das Blut unseres Erlösers.

Lesen wir, was das Evangelium darüber berichtet: "Während des Mahles nahm Jesus Brot, brach es und gab es den Jüngern mit den Worten: »Nehmet hin und esset, dies ist mein Leib«. Dann nahm er einen Kelch, danke und reichte ihn ihnen mit den Worten: »Trinket alle daraus, denn dies ist mein Blut des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden«" (Mt. 26, 26-28).

Es kann nach diesen Worten kein Zweifel darüber bestehen, daß Christus uns wirklich seinen wahren Leib und sein wahres Blut im Sakrament der Eucharistie hinterlassen wollte. Man müßte dem Text Gewalt antun, wollte man daraus lesen, Christus habe nur ein Symbol für seinen Leib und sein Blut einsetzen wollen.

Selbstverständlich kann man die Verwandlung von Brot und Wein nicht mit den Methoden der Naturwissenschaft feststellen. Christus fordert den Glauben an sein Wort, darum bleiben die äußeren Gestalten völlig unverändert. Was sich unseren Sinnen darbietet, sieht weiterhin aus wie Brot bzw. Wein, schmeckt so und hat auch sonst alle Eigenschaften von Brot und Wein. Aber der gläubige Mensch weiß, das dies nur Schein ist, daß nun eine andere Realität unter diesen äußeren Gestalten verborgen ist.

Bestätigende Wunder

Gott hat den Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie durch verschiedene Wunder bestätigt, die heute noch jeder nachprüfen kann, der es nur ernsthaft will. Eines der bekanntesten und sichersten Wunder ist das von Lanciano. Dort verwandelte sich im 8. Jahrhundert, als ein junger Priester unter erheblichen Glaubenszweifeln die Messe feierte, die Hostie in ein blutiges Stück Fleisch und der konsekrierte Wein in schäumendes rotes Blut. Diese verwandelten Gestalten sind - ohne zu verwesen, was ein weiteres Wunder darstellt - bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben und wurden 1970 einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Die streng wissenschaftliche Prüfung kam zu folgenden Ergebnissen:

1. Es handelt sich um wirkliches Fleisch und Blut.

2. Sowohl das Fleisch als auch das Blut stammen von einem Menschen.

3. Das Fleisch weist die Struktur des Herzgewebes auf.

4. Das Fleisch und das Blut haben dieselbe Blutgruppe.

5. Fleisch und Blut gleichen dem einer lebenden Person, d.h. es scheint, als seien sie gerade einer lebenden Person entnommen worden.

Das Kreuzesopfer unter uns

Warum werden nun Leib und Blut getrennt auf dem Altar gegenwärtig gesetzt? Eben um anzudeuten, daß in der heiligen Messe das Kreuzesopfer vergegenwärtigt wird, denn am Kreuz hatte Christus sein Blut vergossen, waren Leib und Blut also getrennt.

Somit ist der Erlösungstod Christi für uns nicht ein Ereignis, das seit 2000 Jahren der Vergangenheit angehört, sondern wird immer wieder zur Gegenwart. Wer an der Messe teilnimmt, der weilt unter dem Kreuz Christi, der wird von der ganzen Liebe des sterbenden Erlösers beschenkt.

Der Priester

Bei diesem Geheimnis hat der Priester nicht bloß die Rolle eines Gemeindevorstehers, sondern er ist Stellvertreter Jesu Christi. Christus wirkt durch ihn und bringt durch ihn das Opfer dar. Darum sagt der Priester bei der Wandlung nicht: "Das ist der Leib Jesu Christi" , sondern er sagt: "Das ist mein Leib."

Dies ist die Größe des katholischen Priestertums, daß Christus durch dieses unter uns weiterlebt: predigend, segnend, Sünden vergebend und sein Opfer feiernd.

Heilige Kommunion

Nach dem ersten und eigentlichen Höhepunkt, nämlich der Wandlung, gibt es in der heiligen Messe noch einen zweiten Höhepunkt: die heilige Kommunion. Hier findet der gläubige Mensch die höchste Vereinigung mit Gott, die hier auf Erden möglich ist. Wer kommuniziert, der nimmt Christus selbst in sein Herz auf, wird von seiner Liebe überreich beschenkt und bereitet sich so auf die ewige Vereinigung mit ihm im Himmel vor. Daher sagt Christus: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und den werde ich auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm."( Joh. 6, 54-56)

Wie glücklich ist daher der gläubige Katholik. In keiner anderen Religion gibt es eine solch liebende Nähe Gottes zum Menschen.

Beichte

Das Ziel

Das letzte Ziel des Menschen ist es, nach seinem Tod Gott ewig zu schauen, zu lieben und zu besitzen. Dies erlangt zu haben wird für ihn das höchste Glück sein, dies verfehlt zu haben das höchste Unglück.

Dieses Glück wird ihm von Gott zuteil als Lohn für ein gutes Leben, denn das irdische Leben ist eine Zeit der Bewährung, in der man sich für Gott entscheidet oder gegen ihn, für Himmel oder Hölle.

Der Weg

Gott hat uns in dieser Zeit der Entscheidung nicht ohne Hilfe gelassen. Um uns Maßstäbe für das, was wir tun sollen, zu geben, hat er uns seine Gebote geoffenbart: Die 10 Gebote. Wenn uns diese normalerweise auch durch die Erziehung vermittelt werden, so hat er sie noch zusätzlich in unser Herz geschrieben. Eine innere Stimme warnt uns, wenn wir etwas Böses tun wollen, oder sie treibt uns an, wenn es etwas Gutes ins Werk zu setzen gilt. Diese innere Stimme ist das Gewissen. Durch die gewohnheitsmäßige Befolgung seiner Anweisungen, sowie durch das Gebet um rechte Erkenntnis und die Beschäftigung mit den Wahrheiten des Glaubens wird das Gewissen verfeinert. Dagegen wird es durch Mißachtung seiner Mahnungen, durch schlechte Gewohnheiten oder schlechten Umgang abgestumpft, verblendet und verbogen. Wer das Ziel des Lebens erreichen will, muß also sein Gewissen in der genannten Weise an den Geboten der Religion bilden.

Um uns um so sicherer auf dem rechten Weg zu erhalten, hat uns auch die von Christus gestiftete hl. Kirche, von ihm selbst dazu ermächtigt, Gebote vorgelegt, die gewisse Mindestforderungen des christlichen Lebens darstellen, z.B. das Gebot des sonntäglichen Meßbesuchs.

Die Sünde - Abkehr von Gott

Nun handelt aber der Mensch im praktischen Leben allzuoft nicht nach diesen von Gott gegebenen Regeln. Denn die Welt mit ihren falschen Grundsätzen und scheinbar erfüllenden Glücksgütern (Macht, Besitz, Ruhm), die von der Erbsünde herrührende Begierlichkeit und die Versuchungen des Teufels gaukeln ihm ständig das Böse als etwas Erstrebenswertes vor und umgekehrt. Wenn sich nun der Mensch gegen den Willen Gottes entscheidet, so sündigt er. Dies kann in Gedanken, Worten, Werken, aber auch durch Unterlassung des Guten, zu dem wir verpflichtet wären, geschehen. Die Sünde besteht also in der Abkehr von Gott und in der Zuwendung zum Geschöpf, entweder dadurch, daß man es statt Gottes zu seinem letzten Ziel macht, oder indem man es nicht in einer Gott untergeordneten Weise anstrebt.

Die schwere Sünde

Nicht alle Sünden sind gleich schwerwiegend. Handelt es sich bei einer schlechten Tat um eine wichtige Sache (oder hat diese Tat schwerwiegende Folgen) und sind auch klare Erkenntnis der Sündhaftigkeit und volle Zustimmung des Willens da, so ist die Abkehr von Gott eine vollständige. Der Mensch verweigert dabei - auch wenn er es nicht so ausspricht oder in Gedanken formuliert - Gott ganz grundsätzlich den schuldigen Gehorsam. Er macht etwas Geschöpfliches, letztlich sich selbst, zum Endziel seines Lebens.

Die Folge einer solchen schweren Sünde - auch Todsünde genannt - ist der Verlust der heiligmachenden Gnade und der Gotteskindschaft. Anstatt in die beglückende Schau Gottes einzugehen, würde der in diesem Zustand sterbende Mensch der Strafe der ewigen Gottesferne, der Hölle verfallen. Schwere Sünden sind nicht nur Taten wie Mord und Ehebruch, sondern z.B. auch: Vernachlässigung einer grundlegenden Kenntnis des Glaubens und der daraus folgenden Moral, sowie der religiösen Praxis, Verführung zum Bösen (wie auch Freude an Schlechtem, schlechte Wünsche), Anschauen schlechter Filme, schlechte Lektüre, Selbstbefriedigung, außerehelicher Verkehr, Gebrauch von Verhütungsmitteln, Abtreibung, böse Nachrede, Spielereien mit Spiritismus usw.

Die läßliche Sünde

Ist die böse Handlung von geringerem Gewicht, ist die Schlechtigkeit einer Sache nicht hinreichend erkannt oder ist nur eine teilweise Zustimmung vorhanden, so wird die Hinordnung des Menschen auf Gott durch die Gnade nicht zerstört. Man spricht dann von einer läßlichen Sünde.

Wenn auch die läßliche Sünde nicht die Freundschaft mit Gott und die Hinordnung auf ihn zerstört, so ist sie doch eine Beleidigung des unendlich liebenswürdigen Gottes. Sie macht uns, besonders wenn sie oft und freiwillig geschieht, zur schweren Sünde geneigt und behindert sehr das Wirken der Gnade Gottes in unserer Seele. Wer nicht aufrichtig nach Besserung strebt, läuft große Gefahr, tiefer zu fallen. Der Verstand wird auf die Dauer geblendet und der Wille zum Guten geschwächt.

Das Heilmittel für die Sünde

Christus hat für die Not der in die Sünde verstrickten Menschen ein Heilmittel gegeben, indem er nach seiner Auferstehung zu seinen Jüngern sprach: "Empfanget den Heiligen Geist. Wem immer ihr die Sünden nachlaßt, dem sind sie nachgelassen; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten." (Joh. 20, 23) Dies war die Einsetzung des Bußsakramentes, auch Beichte genannt. Nicht aus eigener Kraft, sondern im Auftrag und in der Vollmacht Christi spricht dabei der Priester den Sünder, der aufrichtig und reumütig seine Verfehlungen bekennt, von seinen Sünden frei, seien sie auch noch so schwer. Die Seele wird so von jeder Schuldbefleckung gereinigt und wieder mit der Gnade geschmückt und geheiligt.

Christus selbst also hat die Sündenvergebung an den Priester geknüpft. Das Sündenbekenntnis ist nötig, weil der Stellvertreter Gottes ja sonst nicht erkennen könnte, wem er die Sünden nachlassen, oder wem er sie "behalten" soll, was z.B. der Fall wäre, wenn der Beichtende zu erkennen gibt, daß er keine Reue hat. Wichtig ist, daß die Reue nicht eine Sache des Gefühls, sondern des Willens ist.

Weil die Sünden so getilgt sind und weil Gott dieses Sakrament der Barmherzigkeit zum Nutzen und nicht zum Nachteil des Sünders eingesetzt hat, deshalb ist der Priester zu strengstem Stillschweigen über das verpflichtet, was ihm in der Beichte anvertraut wurde. Das nennt man Beichtgeheimnis. Der Priester ist schwer verpflichtet, wenn es sein müßte, eher das Leben zu lassen, als irgendwie zu verraten, was er hier vernommen hat.

Tod

Tod und Gericht

"Und wie es dem Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, und dann kommt das Gericht...." (Heb. 9, 27)

Der Mensch ist zusammengesetzt aus Leib und Seele. Der Leib besteht aus Materie. Alles aus und mit Materie Zusammengesetzte unterliegt aber den Gesetzen der Materie und daher der ständigen Wandlung, der Entstehung und Auflösung. Die Auflösung der Zusammensetzung von Leib und Seele nennen wir Tod.

Der Mensch war in seinem Urzustand durch eine besondere übernatürliche Gabe vor dieser Auflösung bewahrt. Durch die Sünde der Stammeltern ging diese Gabe verloren, und daher nimmt die Natur nun ihren gewöhnlichen Verlauf: Alle Menschen müssen sterben. Das gilt ohne jede Ausnahme!

Beim Tod trennt sich also die Seele vom Leib. Der Leib, der aus Materie besteht, zerfällt. Die Seele aber besteht nicht aus Materie. Sie ist geistig, einfach und nicht zusammengesetzt. Deshalb kann die Seele auch nicht zerfallen und vergehen wie der Leib, sondern sie bleibt bestehen. Was aber geschieht nun mit der Seele, die getrennt vom Leib weiterlebt?

Das persönliche Gericht

Mit dem Leib hat die Seele auch die Möglichkeit ihrer meisten natürlichen Tätigkeiten verloren. Damit ist die Zeit ihres Wirkens und Verdienens vorbei: "Es kommt die Nacht, da niemand zu wirken vermag." (Joh. 9, 4) Nun ist es also soweit, daß die Seele den Lohn für ihre Arbeit erhält.

Der Mensch hat auf Erden gelebt, um sich die ewige Seligkeit in der Anschauung Gottes zu verdienen. Dafür hat er eine bestimmte Lebensfrist erhalten. Nun, nach deren Ablauf, kommt alles darauf an, ob er sein Ziel erreicht hat oder nicht und wie er die zur Verfügung stehende Zeit genutzt hat. Das wird sogleich nach dem Tod geprüft im persönlichen Gericht.

Himmel, Hölle, Fegfeuer

Die Seele steht nun nackt und bloß, nur mit ihren geistigen Fähigkeiten Verstand und Wille, Gott gegenüber. Diejenige Seele, die sich in der Todsünde und daher in der Trennung von Gott befindet, wendet ihren Willen sofort weit vom Angesicht Gottes. Freiwillig hat sie sich von Gott getrennt und kann und will diese Trennung jetzt nicht mehr rückgängig machen. Sie flieht vor Gott.

Da die Seele unsterblich ist, lebt sie von jetzt an in ewiger Trennung von Gott. Den Zustand und Ort dieser ewigen Trennung von Gott, dem Ziel aller Sehnsüchte und der Quelle aller Freuden, nennen wir die Hölle.

In der Hölle leiden die Seelen nicht nur unsagbare Qualen durch die endgültige Trennung von Gott, es werden ihnen auch noch zusätzliche Strafleiden auferlegt für ihre bösen Werke, die nicht nur gegen den Schöpfer, sondern auch gegen die Schöpfung gerichtet waren. Daraus besteht die doppelte Pein in der Hölle, die das Evangelium in den schrecklichsten Worten schildert.

Wir lesen vom "Feuerofen", wo "Heulen und Zähneknirschen" sein wird (Mt. 13, 50), von der "ewigen Pein" (Mt. 25, 46) und dem "unauslöschlichen Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt." (Mk. 9, 43 ff) "Der Wurm", das ist die Gewissenspein, durch eigene Schuld ewig von Gott getrennt zu sein; das Feuer, das "nicht erlischt", sind die zusätzlichen Strafleiden.

Ganz anders die Seelen, die im Stande der heiligmachenden Gnade und daher in der Liebe zu Gott vom Leib scheiden. Die Liebe treibt ihren von der Erdenschwere befreiten Willen förmlich in die "Arme" Gottes, dessen Natur sie durch die Gnade bereits in sich tragen. Nun werden sie ihn ewig schauen und liebend besitzen, in ewigem Glück und ewiger Freude. Und das nennen wir den Himmel.

Ebenso wie die Verdammten in der Hölle ihrer bösen Werke gegen die Schöpfung wegen noch zusätzliche Peinen erleiden außer der endgültigen Trennung von Gott, so werden die Seligen des Himmels mit zusätzlichen Freuden belohnt, die zum ewigen Genuß Gottes noch hinzukommen.

Christus spricht mehrfach vom Himmel, von der ewigen Glückseligkeit: "Euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen." (Joh. 16, 22) - "Ihr sollt essen und trinken an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten." (Lk. 22, 30)

Er spricht vom besonderen Lohn: "Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß im Himmel." (Mt. 5, 12) Doch übersteigt die Wonne des Himmels so sehr jede menschliche Vorstellungskraft, daß der hl. Paulus sagt: "Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." (1 Kor. 2, 9)

Es gibt aber auch Seelen, die zwar im Tod durch keine Todsünde von Gott getrennt sind, jedoch noch zeitliche Strafen für läßliche Sünden abzutragen haben. Obwohl sich diese Seelen im Stand der Gnade und der Liebe zu Gott befinden, können sie doch, durch die ihnen noch anhaftenden Makel beschwert, dem Trieb ihres Willens zu Gott nicht Folge leisten. Solche Seelen müssen daher zuvor von ihren Makeln gereinigt werden.

Dafür gibt es den Reinigungsort, der auch Fegfeuer genannt wird. Man nennt ihn so nach dem hl. Paulus, der im 1. Korintherbrief von demjenigen spricht, dessen Werke zwar auf den rechten Grund (d.i. die Gnade) gebaut sind, aber vor Gott nicht bestehen können: "Er selbst aber wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer hindurch." (1 Kor. 3, 15)

Aus dem Fegfeuer kommt die Seele erst frei, wenn sie "den letzten Heller bezahlt" hat (Mt. 5, 26). Dann aber, vollkommen gereinigt und durch nichts mehr behindert, kann sie dem Ruf der Liebe folgen: "Gehe ein in die Freude deines Herrn!"(Mt. 25, 21)

Vollendung

Die Vollendung der Welt

"Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, und an ihm werden die Himmel zusammenkrachend vergehen, die Elemente brennend sich auflösen, und auch die Erde und die Werke auf ihr werden sich darunter befinden." (2 Pet. 3,10)

"Wir erwarten aber nach seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, worin die Gerechtigkeit wohnt." (2 Pet. 3, 13)


Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Darum sind die abgeschiedenen Seelen ohne Leiber unvollständige Menschen. Die endgültige Vollendung der Welt verlangt aber Vollkommenheit. Auch verlangt es die Gerechtigkeit, daß auch die Leiber der Menschen, mit denen sie Gutes oder Böses getan haben, ihren Anteil am Lohn oder der Strafe erhalten. Darum hat Gott einen Tag festgesetzt, an dem die Seelen ihre Leiber wieder erhalten: den Jüngsten Tag, das Ende der Welt.

Die Reinigung der Erde

Die materielle Schöpfung dient dem Menschen dazu, die ewige Seligkeit zu erlangen. Erreicht er sein Ziel, so erhält seine Seele Anteil am Leben und an der ewigen Herrlichkeit Gottes. Durch die Seele erhält auch der Leib nach seiner Auferstehung Anteil an dieser Herrlichkeit Gottes. Und da die ganze materielle Schöpfung auf die Seligkeit des Menschen hingeordnet ist, soll auch sie für und durch die Menschen Anteil an dieser Herrlichkeit Gottes erlangen.

Deshalb schreibt der hl. Paulus im Römerbrief von der Hoffnung, die Gott gab, "daß auch sie, die Schöpfung, von der Knechtung an die Vergänglichkeit befreit wird zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes." (Röm. 8, 21)

Durch die Sünden der Menschen hat auch die Schöpfung gelitten. "Denn wir wissen, daß bis zur Stunde die gesamte Schöpfung in Seufzen und Wehen liegt." (Röm. 8, 22) Das zeigt unsere so vielfach zerstörte Umwelt gerade heute in erschreckender Weise. Darum ist es notwendig, daß sie zuvor gereinigt, geläutert und wiederhergestellt wird. Auch das wird am Jüngsten Tage geschehen. Die bestehende Schöpfung wird von Gott aufgelöst und erneuert. "Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr." (Off. 21, 1)

Auf dieser neuen, gereinigten, verklärten Erde wird dann die Wohnstätte der Seligen des Himmels sein. Die Hl. Schrift spricht von dieser Wohnstätte als vom "neuen Jerusalem", der "heiligen Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herniederstieg in der Herrlichkeit Gottes." (Off. 21, 10)

Doch diese Stadt kann nur von den Gerechten, den Heiligen und Verklärten bewohnt werden, die in der Freundschaft Gottes stehen. "Den Feiglingen aber und den Treulosen, den Unheiligen und Mördern, den Unzüchtigen und Zauberern, den Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil sein im See, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod." (Off. 21, 8)

Das Jüngste Gericht

Vor dieser letzten Vollendung der Welt gibt es also noch einmal eine Scheidung der Guten und der Bösen. Wir nennen diese Scheidung das Jüngste Gericht.

Die Seelen der Menschen sind bereits nach ihrem Tod im persönlichen Gericht an ihren Platz verwiesen worden. Nun aber werden die vollständigen Menschen, mit Leib und Seele, ein zweites Mal gerichtet.

Das Menschengeschlecht ist eine Einheit. Alle Menschen bilden zusammen eine Familie, bei der die Taten oder Unterlassungen des einen immer notwendig auch Folgen haben für die anderen. Darum müssen jetzt auch die Taten aller Menschen aller Zeiten für alle Menschen aller Zeiten offenbar werden. "Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar wird; und nichts ist geheim, das nicht bekanntwerden und an den Tag kommen wird." (Lk. 8, 17) Das geschieht beim Jüngsten Gericht. Deshalb nennen wir es auch das "allgemeine Gericht".

Die endgültige Scheidung

"Ich sah die Toten, groß und klein, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet. Ein eigenes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens, und die Toten wurden aus dem, was in den Büchern war, gerichtet nach ihren Werken." (Off. 21, 12)

"Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende." (Off. 21, 6)


"Ich sah die Toten, groß und klein, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet. Ein eigenes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens, und die Toten wurden aus dem, was in den Büchern war, gerichtet nach ihren Werken." (Off. 21, 12)

Die Gutes getan haben und in der Gnade Gottes gestorben sind, erhalten ihren Leib in verklärtem Zustand zurück. Ihre Leiber sind jetzt also nicht nur vollkommen, ohne Makel, unversehrt, unverletzlich und unsterblich. Dazu kommt noch Klarheit des Leibes, d.h. ein strahlender Glanz, der von der Herrlichkeit der Seele auf den Leib überfließt; Beweglichkeit und Leichtigkeit, d.h. daß die Seele den Leib mit Leichtigkeit bewegen kann, wohin sie nur will; Geistigkeit des Leibes, d.h. daß der Leib dem Geist so vollständig unterworfen ist, daß er jedem Wink des Willens folgt.

Die Böses getan haben und in der Feindschaft Gottes gestorben sind, erhalten ihre Leiber ebenfalls zurück. Auch ihre Leiber sind vollkommen, unzerstörbar und unsterblich. Doch dient ihnen ihre Unzerstörbarkeit und Unsterblichkeit nur dazu, ewige unsagbare Peinen zu erdulden, denen sie weder durch Schwäche noch durch Tod entgehen können: "Sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht in alle Ewigkeit." (Off. 20, 10) Selbstverständlich fehlen ihren Leibern die Klarheit, Beweglichkeit und Geistigkeit, die eine Folge der ewigen Seligkeit sind.

Ein Fegfeuer gibt es nicht mehr, denn mit der Vollendung der Welt haben alle ihr endgültiges Ziel erreicht: den Himmel oder die Hölle.

Das ist die Vollendung der Welt: die verklärte, verherrlichte, vergöttlichte Schöpfung. Sie umfaßt das ganze geheiligte Universum: die heiligen Engel, die heiligen Menschen, die gereinigte und verklärte Materie. Das ist der neue Himmel und die neue Erde.

"Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und sie begeht." (Off. 22, 15) Alles Übel und alles Böse ist damit für immer von der verklärten Schöpfung ausgeschieden und besteht in ewiger Trennung von ihr fort: Die Dämonen, die verdammten Menschen und der "Feuersee": die Hölle.

Maria

Gottesgebärerin

"Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein." (Luk 1,31)

Schon in der ältesten Marienantiphon "Sub tuum praesidium" wird in der griechischen Urfassung Maria als "Gottesgebärerin" bezeichnet. Viele Kirchenväter und –schriftsteller nennen sie bereits im 3. Jahrhundert so.

Im Jahre 413 findet in Ephesus ein Konzil statt. Ephesus ist die Stadt, in der Maria gemäß der Überlieferung nach der Himmelfahrt ihres Sohnes lebte. Denn in Ephesus war der Apostel Johannes Bischof, und ihm hatte Christus seine Mutter vom Kreuze herab übergeben.

Das Konzil von Ephesus beschäftigt sich mit den Lehren eines Mannes namens Nestorius. Diese Lehren liefen darauf hinaus, zu behaupten, Maria habe nur einen einfachen Menschen geboren. Erst danach habe sich mit diesem Menschen das Wort Gottes, die zweite Person der Dreifaltigkeit, aufs innigste verbunden. Dagegen hält das Konzil von Ephesus fest: Maria ist "Theotokos", "Gottesgebärerin".

Maria hat den Sohn Gottes geboren. Nicht irgendeinen Menschen, sondern die zweite göttliche Person selbst. Jesus, ihr Sohn, ist Gott. Er ist Jahwe. Und zwar von Anfang an. Ihn, das Wort Gottes, hat sie bei der Verkündigung des Engels in ihrem Schoß empfangen, Ihn, das Wort Gottes, hat sie neun Monate lang getragen, und Ihn, das Wort Gottes, hat sie im Stall von Bethlehem geboren. "Et verbum caro factum est – und das Wort ist Fleisch geworden" (Joh 1,14), so beschreibt der heilige Johannes dieses Geheimnis.

Jungfrau und Mutter

"Siehe, die Jungfrau * wird empfangen und einen Sohn gebären und seinen Namen ‚Immanuel‘ nennen." (Is 7,14)

* Das hebräische "alma" = "die junge Frau" wird bereits in der griechischen Septuaginta (noch vor Christus) mit "parthenos" übersetzt, was "Jungfrau" im eigentlichen Sinne bedeutet.


Diese Prophezeiung des Isaias hat sich in Maria erfüllt. Die Kirche lehrt, dass sie vor, in und nach der Geburt Jungfrau war und blieb, Jungfrau an Leib und Seele.

Jungfrau vor der Geburt: "Und er [ihr Bräutigam Josef] erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar [1], und er gab ihm den Namen Jesus" (Matth 1,25). Diese Stelle greift ganz offensichtlich die Prophezeiung des Isaias auf und will die Jungfräulichkeit Mariens vor der Geburt deutlich machen. Diese ist dem Evangelisten besonders wichtig, weil er zeigen will, dass Jesus Christus keinen menschlichen Vater hat. Sein Vater ist Gott allein.

Jungfrau während der Geburt: "Zur Frau sprach er [Gott]: »Zahlreich will ich deine Beschwerden machen und deine Schwangerschaften: unter Schmerzen sollst du Kinder gebären. Und doch steht dein Begehren nach deinem Manne, er aber soll herrschen über dich.«" (1Mos 3,16) Dies verhängte Gott zur Strafe für die Sünde. Jeder Mensch kommt mit der Erbsünde behaftet zur Welt. Darum ist die Geburt mit Schmerzen und Wehen verbunden. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist ohne Sünde. Auch Maria, seine Mutter, ist ohne Sünde. Darum erfolgt die Geburt ohne Schmerzen, ohne Verletzung der Jungfräulichkeit.

Jungfrau nach der Geburt: "Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, eine verschlossene Tür, ein versiegelter Quell" (Hohel 4,12). Der Schoß, der den Sohn Gottes getragen hat, ist geheiligt, ist ein Tempel, ein Gotteshaus. In ihm ist nur Platz für Gott. Nichts Unreines darf in ihn eingehen. Kein mit der Erbsünde behafteter Mensch kann darin empfangen oder daraus geboren werden. [2]

Darum wird Maria zur Mutter der Erlösten. Die in der Taufe "mit Christus gestorben" (Kol 2,20) sind, die ihm gleich geworden sind, die reingewaschen sind durch das reinigende "Bad der Wiedergeburt" (Tit 3,5), die bringt sie gleichsam als Mutter zur Welt. "Er lässt die Kinderlose in der Familie glücklich wohnen als frohe Mutter von Söhnen" (Ps 113,9). So wird sie als Jungfrau zur Mutter aller Gläubigen

[1] Dies sagt nichts aus über die Zeit danach.

[2] Als "Brüder und Schwestern" Jesu werden gemäß dem biblischen Sprachgebrauch allgemein seine Verwandten verstanden. (Vgl. z.B. 1 Mos 13,8, wo Abram Lot seinen "Bruder" nennt, obwohl dieser gem. 1 Mos 12,4 sein Neffe war.)

Die Unbefleckte Empfängnis

Im Jahr 1858 erscheint Maria in Lourdes dem Mädchen Bernadette Soubirous. Bei ihrer Erscheinung am 25. März antwortet sie, nach ihrem Namen gefragt, und sagt: "Ich bin die Unbefleckte Empfängnis". Etwa vier Jahre zuvor, am 8. Dezember 1854, hatte Papst Pius IX. diese Wahrheit feierlich zum Dogma erhoben: Maria ist die "Unbefleckte Empfängnis".

Das heißt: Maria ist von Anfang an, vom Zeitpunkt ihrer Empfängnis an, ganz ohne Sünde gewesen. Sie hat nie den Makel der Erbschuld an sich getragen. "Alles an dir ist schön, meine Freundin, und kein Makel haftet dir an." (Hohel 4,7)

Es gab Heilige, die schon im Mutterschoß von der Erbsünde gereinigt wurden. Die meisten Menschen werden erst nach der Geburt geheiligt durch die Taufe. Doch kein Mensch außer Maria ist jemals von Anfang an von jeder Ansteckung durch die Sünde bewahrt geblieben. Dieses einzigartige Privileg wurde Maria zuteil, weil sie zur Mutter Gottes ausersehen war. Sie sollte der reine und heilige Tempel sein, in dem Gott Mensch wurde, das zweite Paradies, in dem der "neue Adam" Christus zur Welt kam.

In den Himmel aufgenommen

Tod und Verwesung gehören zu den Strafen, die auf der Menschheit wegen der Erbschuld lasten. "Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verzehren, bis du zum Ackerboden wiederkehrst, von dem du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum Staube sollst du heimkehren!" (1Mos 3,19)

Maria war ohne jeden Makel der Sünde. Darum war sie auch frei von der Sündenstrafe. Maria hätte nicht sterben müssen. Es gibt jedoch Überlieferungen über ihren Tod. Da ihr Sohn freiwillig sein Leben gab für die Sünder, wollte sie es ihm gleichtun. Doch konnte sie, die Unbefleckte, die Mutter Gottes, ebenso wenig im Grab liegen bleiben und verwesen wie Christus, der völlig Schuldlose. "Denn du gibst meine Seele nicht der Unterwelt preis und lässt deinen Heiligen Verwesung nicht schauen." (Ps 16.10)

Wie Christus aus dem Grab auferstand und als Sieger zum Himmel fuhr, so weckte er auch sie aus dem Grab wieder auf und nahm sie zu sich in den Himmel. Darum verkündete Papst Pius XII. im Jahr 1950 dieses Dogma: "Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden." Wir feiern dieses Geheimnis jedes Jahr am 15. August.

Maria Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden

"Es standen bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena." (Joh 19,25)

Maria schenkte der Welt den Erlöser. Ohne sie, seine Mutter, wäre er nicht zur Welt gekommen. Sie begleitete ihn sein ganzes Leben hindurch bis zu seinem Tod am Kreuz. Sie stand unter dem Kreuz, um mit ihm zu opfern, und sie empfing seinen gemarterten Leib in ihrem Schoß, als er vom Kreuz herabgenommen wurde. So wie sie den Sohn Gottes einst in ihrem Schoß empfangen hatte, so empfing sie jetzt den toten Erlöser und mit ihm die Früchte der Erlösung, um sie an die Menschen auszuteilen.

Maria war die Gehilfin des Erlösers Jesus Christus auf Erden. Sie ist jetzt die Gefährtin seiner Herrlichkeit im Himmel. "Eine Königstochter steht da in deinem kostbaren Schmuck: die Gemahlin zu deiner Rechten in Ophir-Gold." (Ps 45,10)

Als Königin des Himmels und der Erde verfügt sie über alle Reichtümer. "Der König Salomo gab der Königin von Saba alles, wonach sie begehrte und verlangte, abgesehen von dem, was er ihr bereits, entsprechend der Möglichkeit eines Königs Salomo, geschenkt hatte." (1Kön 10,13) Die Gnaden Gottes, der Schatz des Erlösungswerks Christi, alles gehört ihr, damit sie freigiebig davon austeilt.

Das Unbefleckte Herz Mariens

"Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau, mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen." (Offb 12,1)

Genau so, wie der heilige Johannes in seiner Offenbarung die "Frau" beschreibt, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 drei Kindern im portugiesischen Fatima. Zur Seherin Lucia sagt sie am 13. Juni: "Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen."

Sie nennt den Zweiten Weltkrieg als ein Zeichen, "das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des heiligen Vaters strafen wird". Um die Welt zu retten, nennt sie zwei Heilmittel: den täglichen Rosenkranz und die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens.

"Um das zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein. Wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und eine Zeit des Friedens wird der Welt geschenkt werden."

Auf diese Zeit dürfen wir uns freuen, diese Zeit des Friedens, die eine Zeit Mariens sein wird.

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