Zum Fest des heiligen
Kirchenvaters Athanasius, des Kämpfers gegen die
Häresie. Aus der Heiligenlegende von P. M. Vogel SJ.
"Wenn einer kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf in
das Haus und sagt ihm auch nicht den Gruß; wer
ihm den Gruß entbietet, macht sich teilhaft seiner
bösen Werke" (2 Joh 10f).
In Ansehung der Verfolgungen, die der heilige Athanasius von den
Arianern auszustehen hatte, und ihrer arglistigen
Kunstgriffe, deren sie sich bedienten, ihre gottlose Sekte zu
verbreiten und dann gegen alle Rechtgläubigen
zügellos zu
toben, nehmen wir hier Gelegenheit, dir, lieber Leser, ein treffendes
Gemälde von den Irrlehrern, ihren verführerischen
Schleichwegen und Kunstgriffen vorzulegen, um dich in deinem Glauben zu
stärken und vor ihrem tödlichen Gift zu
bewahren.
1. Der Irrlehrer erscheint am Anfang in der verführerischen
Gestalt der Schlange, um zu hintergehen. Kommt, sagt er zu
den Gläubigen, ich will euch unterweisen; wenn ihr Trost
braucht, will ich euch trösten; wenn ihr nackt seid, will ich
euch
bekleiden; ich will euch in allen euren Bedürfnissen
beistehen. Sein äußeres Betragen ist ordentlich und
eingezogen;
seine Worte sind voll Liebe und Sanftmut. Man könnte auf ihn
die Worte anwenden: "Von ihren Lippen trieft Honigseim,
und ihre Worte sind sanfter als Öl; ihr Ende aber ist so
bitter wie Wermut und so scharf wie ein zweischneidiges
Schwert" (Spr 5,3f). Ist er aber einmal so weit gekommen, daß
er sich einen Anhang erworben hat, so ist er nicht mehr
dieser sittsame, leutselige und liebreiche Mann; er geht mit
emporgehobenem Haupt einher und herrscht wie ein Löwe.
2. Als ein großer Reformator wird er Entartung der
römischen Kirche, Stolz den Kardinälen, Luxus den
Bischöfen,
verfallene Zucht den Priestern und Mönchen andichten, und
darüber seufzen; er wird eine Reformation in dem Oberhaupt
und in den Gliedern wünschen. Aber laß dich
hierdurch nicht irre machen; alle diese ungebührenden Klagen
zielen nur
darauf ab, daß sie die Ehrfurcht und Hochschätzung,
die du den Dienern der Kirche und besonders dem vornehmsten
Hirten schuldig bist, in dir unterdrücken und die Verachtung
des Ansehens der Kirche, dessen Hüter die Bischöfe
sind, dir
beibringen. Durch diesen Kunstgriff haben die ersten Prediger von
Irrlehren es so weit gebracht, daß sie ganze Provinzen
verführten. Das gedankenlose Volk läßt sich
leicht, wie man weiß, zu allen Dingen, die ihm als auffallend
vor Augen
gestellt werden, hinreißen. Es kenn nicht den klugen
Ausspruch des heiligen Augustinus, der sagt: "Die Klage eines
Irrlehrers gegen einen katholischen Priester kann und darf man nicht
annehmen, weil sie allezeit verdächtig ist."
3. Als ein gefährlicher Blender wird er einen großen
Schein der Gottseligkeit und der Religion heucheln, damit er die
Einfältigen, die aus Mangel an Erfahrung und an Einsichten aus
der Regelmäßigkeit dieser Sitten leicht auf die
Wahrheit
der Lehre schließen (obwohl die eine von der anderen getrennt
sein kann), desto leichter hintergehe. Betrachte das
Gemälde, das der heilige Bernhard von den Manichäern
seiner Zeit entwirft: "Ihre Sitten", sagt er, "sind untadelhaft; sie
unterdrücken niemanden; fügen niemandem ein Leid zu;
ihr Angesicht verrät Abtötung und Fasten, sie essen
ihr Brot
nicht im Müßiggang, und durch Handarbeit verdienen
sie ihren Lebensunterhalt." Gibt es wohl Leute, deren
äußeres
Ansehen zur Verführung anderer geschickter ist? Nimm diesen
Betrügern einmal die Larve ab, und du wirst bald
entdecken, daß unter dem Schafspelz Wölfe,
ausgeartete Kinder, die den Schoß ihrer Mutter grausam
zerfleischen, -
falsche und gefährliche Lehrer, die den
äußeren Schein der Gottseligkeit nur darum annehmen,
damit sie ihre Irrtümer mit
glücklicherem Erfolg verbreiten, - verborgen sind. Dieser
Fallstrick ist für einfältige Gläubige umso
gefährlicher, je größer
die Anzahl derjenigen ist, die sich durch den
äußeren Schein leicht einnehmen lassen.
4. Der Parteigeist wird die Genossen seiner Empörung ganz
außerordentlich loben. - Ihrer Partei angehören und
ein
großer Mann sein, das ist in den Augen der Sektierer ein und
dasselbe. Nirgends wird man, wie ein Kirchenvater bemerkt,
so geschwind und so leicht befördert wie unter dem Heer der
Sektierer. Theophilus führte als Katholik ein stilles Leben,
hatte weder Verstand noch Wissenschaften noch Talente, er
gehörte in die Klasse jener Leute, von denen nichts
gesprochen wird. Indes verläßt er den
Schoß der Kirche und ergreift die Partei der Sektierer. Welch
eine Verwandlung!
Theophilus ist sogleich ein großer Mann geworden, der sich
durch seine Einsicht, durch seinen Verstand, durch seine
Tugenden und Talente auszeichnet. Er ist nachher gestorben, und der
Schutzredner der Sekte hält ihm eine prächtige
Leichenpredigt. Ja, wer immer zu ihnen übergeht, ist alles, -
ein Genie, ohne Verstand zu haben, klug ohne Klugheit,
gelehrt ohne Wissenschaft und zuweilen ohne Redlichkeit ein
rechtschaffener Mann.
5. Als listige Leute zeigen die Irrlehrer äußerlich
gegen Irrlehren, die von den ihrigen unterschieden sind, einen
großen
Eifer, um sich dadurch die Achtung und Ehrerbietung der
Gläubigen zu erwerben und ihnen das Gift ihrer
Irrtümer umso
leichter beizubringen. Hiervon haben wir ein Beispiel an dem
Patriarchen von Konstantinopel. Nestorius, der es wagte, der
heiligen Jungfrau Maria den herrlichen Titel der Mutter Gottes zu
rauben und Jesus Christus in zwei Personen zu teilen,
spricht, wie der Geschichtsschreiber Sokrates erzählt, zum
Kaiser wie folgt: "Reinigen Sie, gnädigster Herr, die Erde von
Irrlehrern, Sie werden gewiß den Himmel besitzen; helfen Sie
mir zur Ausrottung der Irrlehrer, und ich werde Ihnen zur
Besiegung der Perser helfen." Jedoch sagte dieser Betrüger
kein Wort davon, daß er selbst ein Irrlehrer sei.
6. Der Irrlehrer ist ein erklärter Feind des sichtbaren
Ansehens der Kirche. Um dieses Ansehen in deinen Augen
herabzusetzen, wird er es als das Grab der Vernunft und als einen
Deckmantel darstellen, worunter sich Unwissenheit
und Dummheit zu verbergen suchen. Der Verführer mag beschaffen
sein, wie er wolle, wird er doch von nichts als von
Wissenschaft reden. "Kommt zu uns", wird er sagen, "wir wollen euch
unterrichten; gebt jenen kein Gehör, die euch sagen: gehorcht euren Hirten, folgt ihrem Unterricht, glaubt, dann
könnt ihr die Prüfung anstellen - sondern
hört vielmehr
diejenigen, die euch, ehe ihr glaubt, zur Untersuchung der Lehren
einladen. Bloß durch den Weg der Untersuchung
gelangt man zur Erkenntnis der Wahrheit." Durch diese Kunstgriffe sucht
er die Einfältigen zu bewegen, die Lehrgewalt
der sichtbaren Kirche abzuwerfen und ein fremdes Joch auf sich zu
nehmen. Denn wo sind die Gläubigen, welche diese
Untersuchung anstellen können? Besitzen sie alle Kenntnisse,
die notwendig dazu erfordert werden? - Und wenn sie
diese auch besäßen, haben wohl die meisten Zeit, sie
zu unternehmen? Eine solche Untersuchung ist kein Werk eines
Tages oder eines Monats.
7. Er wird Stellen aus der Heiligen Schrift zur Bestätigung
seiner Irrtümer anführen und ihnen eine irrigen Sinn
beilegen,
wie es die Gewohnheit aller Irrlehrer ist. "Lest", sagt Vinzenz von
Lerin, "die Werke des Paulus von Samosata, des
Priscillian, des Eunomius, des Jovinian und anderer Feinde der Kirche,
- ihr werdet keine Seite antreffen, die nicht mit
Stellen aus dem alten und neuen Testament angefüllt
wäre." "Sie legen die Worte der Schrift", sagt der heilige
Ambrosius,
"nach ihrem eigenen Sinn aus, damit sie das Gift ihrer
Irrtümer unter der Decke der heiligen Aussprüche
desto leichter
beibringen." Auf diese Weise nimmt das Menschenwort im Geist
derjenigen, die auf die Fallstricke der Irrlehrer kein
wachsames Auge haben, die Stelle des Wortes Gottes ein.
8. Der Irrlehrer ahmt jene nach, die, wie der Prophet redet, "um die
Gerechten herum wandeln, um sie zu überraschen".
Wenn er seine Gesinnungen vor der geistlichen Obrigkeit offenbaren
muß, wird er die Wahrheit niemals geradezu
bekennen; er wird immer unbestimmte und allgemeine Antworten geben, die
in dem Mund eines Katholiken viel sagen
würden, in dem Mund eines Sektierers aber nichts bedeuten. Er
wird z.B. antworten, er nehme alle Entscheidungen der
Kirche an; er glaube alle Wahrheiten, die sie glaubt; er verdamme alle
Irrtümer, die sie verdammt. Dessen ungeachtet
wird diese scheinbare Aussage, wenn man in ihn dringt, mit der
Erklärung enden, daß er eine solche Entscheidung
verwerfe, die doch die allgemeine Kirche durch ihren Beifall gebilligt
hat. In der Tat, wenn du ihm die Larve abziehen
willst, so frage nur, ob er dem Dekret gehorche, das seine
Irrtümer verdammt. Er wird sogleich antworten, die Frage sei
nicht genug bestimmt; es wäre hierzu ein allgemeiner
Kirchenrat nötig. Er wird einen allzeit bestehenden
Richterstuhl, der
ihm mißfällt, vermeiden, um sich an einen anderen zu
wenden, der noch nicht errichtet ist, und dessen Ansehen er bei
Gelegenheit verspotten wird. Der heilige Hieronymus liefert beinahe die
nämliche Schilderung von den Irrlehrern seiner
Zeit. "Wenn man sie", sagt er, "zur Unterschreibung einer Entscheidung
anhalten will, so weigern sie sich und suchen
falsche Ausflüchte; der eine sagt: ich kann nicht verdammen,
was noch niemand verdammt hat; der andere: die Väter
haben über diese Frage entschieden. Man entzieht sich also,
indem man sich auf das Urteil der ganzen Welt beruft, dem
Gehorsam, der der Autorität erwiesen werden muß."
9. Als ein arglistiger Schwätzer wird der Neuerer sowohl in
seinem Umgang als auch in seinen Schriften viele Wahrheiten
mit dem Gift seiner Irrtümer vermischen; er wird sie sogar in
Ausdrücke, die dem Schein nach katholisch sind,
verhüllen,
damit er bei denen, die ihn hören und den Betrug nicht merken,
leichteren Eingang findet. Als ein in der Kunst zu
hintergehen Erfahrener nimmt er seine Zuflucht zu den Kunstgriffen,
weil er weiß, daß die Lüge, wenn sie ohne
allen
Schmuck erscheint, nur beleidigen muß; daß sie
aber, unter dem Schein der Wahrheit verhüllt, sich viel
leichter in den
Geist einschleicht. Man reicht nie das Gift unmittelbar und offen,
sondern jederzeit unter der Hülle einiger
verführerischer
Säfte oder Speisen.
10. Als ein hoffärtiger Mensch sieht der Irrlehrer alle, die
anders denken, nur mit Verachtung an. Die Bischöfe, sagt er,
sind niederträchtige, dem römischen Hof ergebene
Sklaven; sie sind stumme Hunde, die nicht den Mut haben, für
Jesus
Christus ihren Meister zu bellen, die von der Wahrheit schimpflich
abgewichen sind. Die Irrlehrer führen dieses Wort
(Wahrheit) eben so sehr im Mund wie es von ihrem Geist entfernt ist.
Sie allein, wenn man sie hört, verteidigen die
Wahrheit; sie streiten und leiden für die Wahrheit. Wenn der
Fürst es für dienlich hält, sie
wegzuschaffen, um damit ihre
Verbreitung zu verhindern, nenne sie sich ohne Scheu Bekenner der
Wahrheit, Gefangene Jesu Christi. Jedoch täuschen
sie keineswegs diejenigen, die wissen, daß die Beraubung der
Freiheit ebenso wenig einen Bekenner wie die Strafe einen
Märtyrer macht. Diese herrlichen Titel gebühren
bloß jenen, die wegen der Verteidigung des Glaubens oder der
Gerechtigkeit leiden.
11. Vielleicht gibt er Offenbarungen, Gesichte (Erscheinungen) und
selbst Wunderwerke vor. Simeon, der Zauberer,
nannte sich die Kraft Gottes. Der Stolz des Montanus ging so weit,
daß er sich den Tröster (den heiligen Geist) nannte
und gewissen Frauen, die ihm anhingen, die Gabe der Prophezeiung
zuschrieb. Manes, der Vater der Manichäer, gab
sich für einen Apostel Jesu Christi aus. Alle diese
hochmütigen Titel, die die Neuerer sich verwegener Weise
anmaßen,
hintergehen oft die Gläubigen, die nicht immer die Klugheit
der Schlange mit der Einfalt der Taube verbinden; aufgeklärte
Personen aber lassen sich von diesen Betrügern nicht hinter
das Licht führen.
12. Allezeit aufmerksam auf die Personen, die am leichtesten zu
verführen sind, wird der Ketzer sich besonders Mühe
geben, daß er sich die Achtung der Personen weiblichen
Geschlechts erwirbt. Da er weiß, daß der Vorwitz
mit zu den
Schwachheiten dieses Geschlechts gehört, wird er sie von
dieser Seite angreifen, indem er sie einlädt, in das Heiligtum
der Gottesgelehrtheit einzugehen und die streitigen Fragen selbst zu
untersuchen. Diesen Vorwurf macht der heilige
Hieronymus dem Pelagius: "Du bist", sagt er zu ihm, "so freigebig,
daß du, die Gunst deiner Amazonen zu erlangen, in
einem deiner Werke geschrieben hast, die Frauen
müßten auch die Wissenschaft des Gesetzes besitzen."
Den
nämlichen Kunstgriff bemerken wir bei den Sektierern unserer
Zeit: bei ihnen streiten, lehren und entscheiden die Frauen
über die dunkelsten Fragen der Gottesgelehrtheit.
13. Voll Galle gegen die Katholiken, spart der Sektierer nichts, sie
verächtlich zu machen und ihnen allerlei gehässige
Namen zu geben. So nannten die Arianer die Katholiken Homousianer, weil
sie gegen ihre Gotteslästerungen die
Konsubstantialität (Einigkeit des Wesens) des
göttlichen Wortes verteidigten. Und die Protestanten nennen
heutzutage
alle Katholiken Papisten, weil wir den Stuhl zu Rom als den Mittelpunkt
der Einigkeit verehren und dessen Lehren
ehrfurchtsvoll beibehalten. In der nämlichen Absicht legt der
Sektierer den Katholiken oft Meinungen bei, an die wir nicht
denken. So haben die Ketzer der letzteren Zeiten die römische
Kirche der Abgötterei beschuldigt, weil wir heilige Bilder
verehrt, ungeachtet sich die Verehrung nach ihren Grundsätzen
nur auf den Gegenstand bezieht, welcher durch jene
vorgestellt wird. Dem Sektierer ist dieses nicht unbekannt, allein er
will nur unverschämt lügen, verleumden und durch
boshafte Unverschämtheit den Katholiken Schaden
zufügen.
14. Sei also im Umgang mit den Sektierern höchst behutsam.
Laß dich nicht leicht mit ihnen in einen Glaubensstreit ein,
besonders wenn du ihnen an Gelehrtheit nicht gewachsen bist.
Hauptsächlich hüte dich vor dem Lesen ihrer
Bücher, die
sie gegen unsere Religion geschrieben haben. Denn wir versichern dich,
daß sie, sobald sie gegen uns schreiben, vom
Religionshaß und von Vorurteilen geblendet, Verräter
der offenbarsten Wahrheit, unverschämte Lügner und
Verleumder
werden. Sie wissen zudem ihren Irrtümern solche Blendwerke
falscher Beweise beizulegen und der Lüge eine so
künstliche Schminke zu geben, daß derjenige, der mit
ihren schändlichen Kunstgriffen und krummen Schlangenwegen
nicht recht wohl vertraut ist, sich gar zu leicht
hineinreißen läßt und Falschheit
für Wahrheit ansieht. Suche im Lesen guter
katholischer Bücher und im Umgang edler und weiser Freunde
deiner Seele Nahrung zu verschaffen. "Wer mit Weisen
umgeht", sagt die Heilige Schrift, "wird (wenn er es noch nicht ist)
weise werden; der Toren Freund aber wird ihnen
gleich" (Spr 13,20). "Man ist nicht sicher", sagt der heilige
Hieronymus, "wenn man nahe bei einer Schlange schläft: es ist
möglich, daß sie nicht beißt; es kann aber
auch das Gegenteil geschehen." Höre endlich die Ermahnung, die
der heilige
Paulus den Römern gibt, und nimm diese zur Regel deines
Verhaltens an: "Ich bitte euch, meine Brüder, auf jene
achtzuhaben, die unter euch Zwiespalt und Ärgernis gegen die
von euch empfangene Lehre verursachen; diese meidet
sorgfältig. Denn solche dienen nicht unserem Herrn Jesus,
sondern ihrem Bauch und verführen die Herzen der
Unschuldigen durch süße Reden und Schmeicheleien"
(Röm 16,17).
15. Jedoch sei behutsam, daß du niemand den
gehässigen Ketzernamen zu voreilig beilegst; wenn es um die
Verdammung eines Bruders zu tun ist, kann man niemals behutsam genug
zur Werke gehen. Diese Erinnerung ist um so
wichtiger, da man nicht selten sieht, daß man die
gelehrtesten und frömmsten Katholiken aus einem ganz
unbedeutenden
Verdacht ins Ketzerregister versetzt, was gemeinhin das
Geschäft unwissender, hochmütiger und unruhiger Leute
ist, die,
um sich wichtig und notwendig zu machen, Verwirrungen Stiften,
Gespenster erdichten, um die nichtswürdige Ehre zu
haben, sie zu bekämpfen, die Ungewitter erregen, um aus den
Schiffbrüchen Vorteile zu ziehen, die im Schoß des
Friedens die Kriegsfackel anzünden, die zu den Waffen rufen,
wenn die Feinde weit entfernt sind.
Sei eifrig, aber sei es mit Klugheit, und die Liebe verbanne dabei alle
Bitterkeit. Wenn es darauf ankommt, dem Nächsten
ein beleidigendes Merkmal anzuhängen, so ist immer ein weises
Zaudern einem übereilten Eifer vorzuziehen. Der gute
Name des Nächsten muß in unseren Augen so lange
unverletzt bleiben, bis sein Verbrechen mit
unumstößlichen
Beweisen dargetan ist.