Der Modernismus ist keine Irrlehre im
üblichen Sinne des Wortes, er ist nicht einfach die Leugnung
einer bestimmten definierten Glaubenswahrheit, sondern der Modernismus
muß in einem weiteren Zusammenhang gesehen und beurteilt
werden. Der heilige Papst Pius X.
sagt in seiner Enzyklika „Pascendi
dominici gregis“ gegen den Modernismus: „Überschaut man nun das ganze
System mit einem Blick, so wird sich niemand über Unsere
Bezeichnung verwundern, daß Wir mit Bestimmtheit
erklären: es ist die Zusammenfassung
aller Häresien. Hätte sich jemand die
Aufgabe gestellt, Geist und Kern aller
Glaubensirrtümer, die es je gegeben hat,
zusammenzutragen, so hätte er dies nicht besser verwirklichen
können, als es die Modernisten
verwirklicht haben. Ja. sie sind noch weiter gegangen als alle und
haben nicht bloß die katholische Religion, sondern - wie
bereits bemerkt - jegliche Religion ( * NB: also
übernatürliche und natürliche!)
vollständig vernichtet.“[1]Wenn man die Worte des heiligen Papstes über den
Modernismus ernst nimmt – „Zusammenfassung
aller Häresien; Geist und Kern aller
Glaubensirrtümer, die es je gegeben hat“ –
dann muß man diesen eigentlich als ein ganz und gar
antichristliches System bezeichnen, denn nur dann kann man
berechtigterweise sagen, daß es „jegliche
Religion vollständig vernichtet“! Dabei
hat dieses antichristliche System noch eine besondere Eigenart, es
behauptet seinen Anspruch innerhalb der katholischen Kirche und
versucht von innen her das Denken der Katholiken unter dem Schein der
Rechtgläubigkeit und Frömmigkeit zu vereinnahmen.
Darum ist es von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen den
Modernismus, dieses System zu durchschauen, dessen Ursachen genau zu
erkennen, damit man selber urteilsfähig wird
gegenüber den Irrtümern dieser Lehre, die heute den
offiziellen Raum der Kirche beinahe vollkommen besetzt hält. nach oben
Das menschliche Denken hat eine
Geschichte. Mit anderen Worten gesagt: ein Gedanke ist nicht einfach
da, sondern er kommt von ganz bestimmten Menschen, die in einer
bestimmten Zeit mit ihren besonderen Umständen, Gewohnheiten,
Fragen und Antworten leben. Geschichtlich gesehen ist der Modernismus
das Ende einer jahrhundertelangen Gedankenreihe. Er ist nicht der
Anfang einer Fehlentwicklung, er ist keine spontane Idee, keine neue,
originelle Erfindung, sondern er ist Ergebnis, ist
Schlußfolgerung aus vielen anderen, vorbereitenden Ideen. Um
den Modernismus richtig verstehen zu können, muß man
daher die ihn tragende Gedankenwelt zurückverfolgen und die
Wurzeln der Entwicklung betrachten.[2]
Ein bedeutender Name in der
Ahnengalerie des Modernismus ist der Philosoph René
Descartes. Descartes hatte den besonderen Ehrgeiz, das
Philosophieren neu zu begründen. Er beschreibt diesen
Neubeginn in den „Untersuchungen über die Grundlagen
der Philosophie“ folgendermaßen:
„Ich
hatte schon vor mehreren Jahren bemerkt, wie viel Falsches ich in
meiner Jugend für wahr gehalten hatte, und wie zweifelhaft
alles war, was ich darauf erbaut hatte. Ich meinte deshalb,
daß im Leben einmal alles bis auf den Grund
umgestoßen und von den ersten Fundamenten ab neu begonnen
werden müßte, wenn ich irgend etwas Festes und
Bleibendes in den Wissenschaften aufstellen wollte. Es schien dies
jedoch ein ungeheures Unternehmen, und ich wartete das Alter ab, was so
reif sein würde, daß ihm ein geschickteres zur
Erwerbung der Wissenschaften nicht mehr nachkommen
könne.“[3]
Descartes wollte aufgrund der
Erfahrung der eigenen Irrtumsfähigkeit durch einen
systematischen Zweifel der Wahrheit auf den Grund gehen. Alles wollte
er anzweifeln, bis „einmal alles bis auf den Grund
umgestoßen und von den ersten Fundamenten ab neu begonnen
werden“ könne. Descartes bildete sich ein, die
Wissenschaft neu begründen zu müssen, um durch eine
neue Methode des Forschens eine
größtmögliche Sicherheit erlangen zu
können, die es bis dahin, nach seiner Ansicht, offensichtlich
noch nicht gab. Diese Ansicht ist angesichts der mehr als 2000
jährigen Philosophiegeschichte mit ihren zahlreichen
hervorragenden Vertretern zumindest sehr eigenartig zu nennen und es
ist darum auch nicht verwunderlich, feststellen zu müssen,
Descartes hatte sich getäuscht. Sein in die Menschenseelen
gesäter Zweifel führte nicht zu
größerer Gewißheit, sondern
verließ den philosophierenden Menschen fortan nicht mehr und
trieb ihn allmählich – nach drei, vier Generationen
– in die Verzweiflung, die man heute
„Nihilismus“ nennt. Eigentlich hätte
Descartes als Philosoph das voraussehen müssen, doch hatte er
offensichtlich bei seinem philosophischen Neuanfang etwas
Entscheidendes übersehen, nämlich, daß
durch seine Methode des systematischen Zweifels ein wesentliches Moment
menschlicher Erkenntnis verloren gegangen ist. Die Gewißheit
menschlicher Erkenntnis ist durchaus nicht das alleinige Kriterium zur
Beurteilung des Wertes einer Erkenntnis, worauf etwa Josef
Pieper in einem seiner Aufsätze besonders aufmerksam
macht. Folgen wir ein wenig den Gedanken dieses großen
deutschen Philosophen, um in dieser so bedeutsamen Frage Klarheit zu
erlangen.
„Es
gibt doch auf die Frage, worin eigentlich die Vollkommenheit des
Wissens und der Erkenntnis bestehe, mehrere mögliche
Antworten. Eine Antwort lautet so: Erkenntnis ist dann vollkommen, wenn
sie absolute Gewißheit erreicht. ... Aber wäre nicht
auch folgende Antwort denkbar: Erkenntnis ist dann vollkommen, wenn die
höchstmögliche Fülle des Seins zu Gesicht
kommt, der ranghöchste Gegenstand, das auf die vollkommenste
Weise Wirkliche? Diese beiden Antworten unterscheiden sich radikal
voneinander. Die letztgenannte Antwort bestimmt den Rang der Erkenntnis
vom Objekt her, von der gegenständlichen Welt her, vom Rang
der in der Erkenntnis faßlich gewordenen Wirklichkeit her. ...
Neuzeitliche
Geistigkeit, neuzeitliches Philosophieren vor allem ist durch diese
Antwort gekennzeichnet, und durch die in ihr sich abzeichnende
Grundhaltung: durch das Hinblicken des Erkennenden auf die
Tragfähigkeit und Verläßlichkeit der
Erkenntnis, auf die Gewißheit und auf den etwa zu
erreichenden Grad von Gewißheit. Es ist fast ein Gemeinplatz,
das zu sagen. Das neuzeitliche Philosophieren beginnt ja mit der
Descartes'schen Grundfrage: Was ist letztlich gewiß? Was
hält dem Zweifel stand? Kant steht in dieser gleichen
Abstammungsreihe, wenn er sagt, das Thema der Metaphysik sei: Was kann
ich wissen, kann ich überhaupt mit Gewißheit wissen?
Eine »Schule des Verdachtes« hat Nietzsche
daraufhin die ganze neuere Philosophie genannt.
Und was
sagen die Alten, die großen Lehrer der Christenheit, die
Gründer und Erzväter der griechischen
Weisheitsüberlieferung? In einer Summa des Hochmittelalters
findet sich dem Satz »Zur Würde des Wissens
gehört Gewißheit« ein anderer Satz
gegenübergestellt, man kann auch sagen: entgegengestellt - ein
ungemein bedenkenswerter Satz, dessen Bedeutung weit über den
unmittelbaren Fragezusammenhang hinausgreift. Dieser andere Satz lautet
so: »Das Geringste an Erkenntnis, das einer über die
erhabensten Dinge zu gewinnen vermag, ist ersehnenswerter als das
gewisseste Wissen von den niederen Dingen. « ...
Was ist hier
gesagt? Zunächst ist sofort klar, wie von Grund auf
verschieden die Haltung ist, aus der heraus so gesprochen wird: es wird
nicht primär nach der Gewißheit gefragt, sondern
nach der Wirklichkeit; es wird nicht auf das Weltverhältnis
geblickt, sondern auf die Welt. Es ist darin nichts von Verdacht,
nichts von Mißtrauen; im Gegenteil, es spricht sich hier ein
höchst entschiedenes Seinsvertrauen aus, ein allerdings
keineswegs »naives« Vertrauen [wie man vielleicht
einen Augenblick lang meinen mag].“[4]
Eine bedeutsame Erkenntnis
muß nicht immer die sicherste Erkenntnis sein, das betont
Josef Pieper mit dem hl. Thomas von Aquin. Erkennen im weitesten Sinne
ist das „Zu-Gesicht-bekommen der Wirklichkeit“.
Dies kann zunächst auch nur vage sein, mehr eine Ahnung als
eine klare Erkenntnis. Natürlich wird der Mensch sich sodann
um Vertiefung dieser anfänglichen Erkenntnis bemühen
müssen, aber wie weit wird er dabei kommen? Wie weit reicht
eigentlich die menschliche Erkenntniskraft? Josef
Pieper erklärt:
„Um
hier klarer zu sehen, muß zuvor noch ein anderes Element
jener Einsicht der Alten bedacht werden, ein nicht ohne weiteres
zutageliegendes Element. Es ist das folgende: die Erkenntniskraft des
Menschen wird ausdrücklich als endlich, als nicht-absolut, als
begrenzt verstanden. Geschieht dies aber nicht auch, ja erst recht in
jener Haltung des Mißtrauens und des Verdachtes, wie sie den
Ansatz der neuzeitlichen Philosophie mit ihrem methodischen Zweifel
kennzeichnet? Es könnte so scheinen; aber ich glaube, dieser
Anschein ist trügerisch. Hinter dem Mißtrauen des
Zweifelnden steckt, glaube ich, etwas anderes als die Anerkennung der
kreatürlichen Urkraft des menschlichen Verstandes. Steckt
nicht vielmehr dahinter die Absicht und die Erwartung und der Anspruch,
durch kritische Vorsicht, durch eine methodische Exaktheitsdisziplin
gerade eine absolute Gewißheit zu erreichen? Wohingegen die
Grundhaltung, die sich in jenem alten Satz ausspricht, etwas genau
Entgegengesetzes besagt; sie besagt: absolute Gewißheiten
gibt es nur für einen absoluten Geist. »Kein Mensch
auf Erden« - so hat John Henry Newman den gleichen
Sachverhalt formuliert - »kein Mensch auf Erden kann eine
streng hinreichende Evidenz schaffen für eine absolute
Schlußfolgerung.« Gerade die höchste
Realität ist der natürlichen Kraft des menschlichen
Erkennens am schwersten und am ungewissesten faßbar; gerade
die in sich selber lichtesten und gewissesten Wirklichkeiten sind
für uns die dunkelsten und ungewissesten: die Erkenntnis ist
um so unvollkommener, je vollkommener ihr Gegenstand; sie ist um so
weniger gewiß, je mehr sie uns eigentlich betrifft und
angeht. ...
Wer
ausschließlich auf Kritik und Exaktheit besteht, sagt damit:
es müsse, durch Vermeidung und Verwerfung aller nicht-exakten
Methoden, dem Menschen möglich sein, zu absoluten
Gewißheiten zu gelangen - während die Meinung der
Alten besagt: Vervollkommnet die Exaktheit der Methoden so viel ihr
wollt und könnt, ihr werdet niemals absolute
Gewißheit zustandebringen.“[5]
Der Mensch strebt nach Erkenntnis und
zwar nach sicherer Erkenntnis. Dabei muß er aber immer seine
eigenen Möglichkeiten nüchtern erwägen. Die
Alten sagen nun, daß es für den Menschen keine
absolute Erkenntnissicherheit gibt und zwar aus dem einen Grund, weil
der Mensch Kreatur, Geschöpf ist und somit immer nur zu einer
kreatürlichen (= beschränkten)
Erkenntnisgewißheit befähigt. Darum gehört
es wesentlich zur menschlichen Erkenntnis, sich auf das eigene, das zu
verwirklichende Maß zu bescheiden. Der
Descartes´sche Zweifel verändert unmerklich, aber
wesentlich die Erkenntnissituation des Menschen. Der Zweifelnde sucht
eine größtmögliche, letztlich eine absolute
Gewißheit. Diese wird er aber niemals finden, denn
„absolute Gewißheiten gibt es nur für
einen absoluten Geist.“ Aus diesem Grunde birgt die Haltung
des Zweifels die große Gefahr für den erkennenden
Menschen in sich, daß er mit der Zeit resigniert, weil er die
erhoffte Erkenntissicherheit niemals wirklich erreicht. Darum ersinnt
der Zweifelnde eine wissenschaftlicheExaktheitsdisziplin, mit welcher er dem Zweifel feste
Grenzen setzen möchte. Aber ist das der richtige Weg, ist das
die richtige, dem Wesen des Menschen entsprechende Erkenntnishaltung
des Menschen? Josef Pieper meint
dazu:
„Wer
sich solchermaßen darin versteht, gerade als ein Erkennender
Kreatur zu sein [nicht-absolut, endlich, abhängig, nicht
autark, ein Empfangender, ein von Natur Empfangender] - der kann
unmöglich das Problem der Gewißheit so sehr ernst
nehmen, so existentiell wichtig, daß er stets von allem
Anfang an die Frage stellt: kann ich dessen gewiß sein?
Solche Haltung muß ein eigentlich menschliches Leben geradezu
unmöglich machen - weil sie dem kreatürlichen Wesen
des Menschen im Grunde widerspricht. In dem Anspruch auf absolute
Gewißheit liegt nicht allein etwas von Grund auf Humorloses,
sondern etwas formell Un-Menschliches; denn er bedeutet die Weigerung,
ein Empfangender sein zu wollen; er schließt den Irrtum in
sich [oder soll man sagen: die Häresie, die
Selbsttäuschung, den vom Willen her bestimmten Irrtum?], der
menschliche Geist könne von sich aus bis in die letzte Tiefe
der wirklichen Dinge vordringen - in welcher Tiefe dann die Dinge so
sehr aus sich selbst begreiflich werden könnten, daß
sie aufhören, etwas einfachhin Anzunehmendes zu sein. Auf
solche Weise aber kann der Mensch nicht menschlich leben - weil er auf
solche Weise nicht »zum Objekt kommt«.“[6]
Die Alten sehen das
Gewißheitsproblem konkret, denn nur so ist es
lösbar. Der Mensch muß als Erkennender immer
eingedenk bleiben, daß er als Kreatur erkennt, als ein von
Natur Empfangender. Deshalb darf er die Gewißheit nicht
unnötiger Weise problematisieren. Beachtet er dies nicht mehr
und erhebt die Gewißheit zur alleinigen Norm seiner
Erkenntnis, gerät er in eine perspektivische Verzerrung der zu
erkennenden Wirklichkeit. Dem Zweifelnden erscheinen nämlich
die Dinge am Größten, die am Sichersten zu erkennen
sind – das entspricht jedoch nicht der Wirklichkeit. „Wer wüßte
nicht“, erinnert Josef Pieper, „daß
die Objekt-Armut, die Dürftigkeit des Aussage-Gehalts eine
charakteristische Begleiterin äußerster Exaktheit
ist?“ Der allein auf Gewißheit Bedachte
wird immer ärmer, er schließt mehr und mehr von der
Wirklichkeit aus seinem Erkennen aus. Um ein
Höchstmaß an Präzision zu erreichen, ist er
bereit, immer Kleineres, Unbedeutenderes zu erforschen, wobei sich aber
die Frage stellt, ob sich um einer so minimalen Inhaltlichkeit willen
ein solcher Aufwand an Exaktheit überhaupt verlohne. Josef
Pieper gibt zu bedenken:
„Auch
dies ist ja ein legitimer Gesichtspunkt: das Verlohnen; es gibt nicht
nur Wißbarkeit, es gibt auch Wissenswürdigkeit; es
gibt Dinge, die sehr exakt gewußt werden können, die
aber kaum wert sind, gewußt zu werden. ...
Die Alten
sprechen von »erhabenen« und von
»niederen« Dingen. ... Wer nur auf
Gewißheit bedacht ist, der begibt sich der
Möglichkeit, zwischen mehr und weniger wissenswerten Dingen zu
unterscheiden: wissenswert ist alles, was exakt wißbar ist.
Von hier aus kann es keine Kritik an der »Wissenschaft vom
Nicht-Wissenswerten« geben, und keinen Widerstand dagegen.
Diese Kritik kann nur erwartet werden, solange der Seinsrang der Sachen
selbst etwas bedeutet für die Wertung der menschlichen
Erkenntnis.“[7]
Der Zweifelnde vergißt sehr
leicht, nicht jegliches Wissen ist gleich wissenswert. Es gibt
„erhabene“ und „niedere“ Dinge.
Dabei muß der Erkennende insbesondere die Tatsache
anerkennen: „Gerade die höchste Realität
ist der natürlichen Kraft des menschlichen Erkennens am
Schwersten und am Ungewissesten faßbar; gerade die in sich
selber lichtesten und gewissesten Wirklichkeiten sind für uns
die dunkelsten und ungewissesten: die Erkenntnis ist um so
unvollkommener, je vollkommener ihr Gegenstand; sie ist um so weniger
gewiß, je mehr sie uns eigentlich betrifft und
angeht“, wie es Josef Pieper schon dargelegt hat. Es
gehört einfach zum Leben des Menschen, eine gewisse
Unsicherheit der Erkenntnis ertragen zu müssen. Dies wird ihm
durch ein tiefes, gottgeschenktes Seinsvertrauen ermöglicht.
Nur in einer vertrauenden Erkenntnishaltung kann der Mensch der ganzen
Wirklichkeit gerecht werden. Der Zweifelnde dagegen vergräbt
sich mehr und mehr ausschließlich in die materiellen Dinge,
weil er in der Erkenntnis dieser Dinge höhere Exaktheit zu
finden meint. Durch seine Fehlhaltung verliert er die geistige
Wirklichkeit aus dem Blickfeld und kommt schließlich so weit,
daß er den geistigen Dingen ob der mangelnden
Gewißheit seiner Erkenntnis jegliche Wirklichkeit abspricht,
d.h ganz leugnet[8].
Die Folgerungen aus der
Descartes´schen Philosophie zeigen sich in ihrer Konsequenz
erst Generationen später – etwa bei Kant. Dieser
bezweifelt die philosophischen Gottesbeweise und leugnet sie
schließlich, womit für ihn Gott nur noch ein
Postulat der reinen Vernunft ist . Die nächste Generation wird
natürlich auch dieses Postulat wiederum bezweifeln und
schließlich feststellen, es gibt keinen Gott! Wenn es aber
keinen Gott mehr gibt, wird man weiter bezweifeln, ob es
überhaupt etwas Sinnvolles in der Welt geben könne,
ob nicht vielmehr alles sinnlos, letztlich nichts sei. Womit der
Zweifel endgültig an seinem Ende angekommen scheint, denn wenn
nichts mehr ist, kann man auch nichts mehr bezweifeln –
außer womöglich den Zweifel selber.
Weil
der Zweifel in der modernen Philosophie eine solch entscheidende Rolle
spielt, wollen wir diesen kurz näher betrachten. Was
geschieht, wenn jemand zweifelt? Ist es eigentlich so einfach zu
zweifeln? Hat der Zweifel nicht schon viel mehr Voraussetzungen, als er
sich selber zugesteht?
Der Zweifel steht immer vor einem
grundlegenden Problem: Solange ich nichts weiß, kann ich auch
nicht vernünftigerweise zweifeln. D.h.: Der Zweifel setzt
immer schon Wissen voraus! Den Zweifelnden stellt sich immer die Frage:
Warum zweifle ich? Die Antwort müßte lauten:
„Weil dies oder jenes dem Gesagten widerspricht.“
Also muß der Zweifelnde immer schon „dies oder
jenes“ wissen. Aber – wie kommt man eigentlich zu
Wissen? Sicher nicht durch Zweifel, wie Descartes gemeint hat, sondern
zu Wissen kommt man zuerst und allein durch geistige Ein-sicht. Es gibt
für den Menschen letzte Evidenzen (Einsichten), die er
vernünftigerweise nicht bezweifeln kann, diese werden ihm, wie
es die „philosophia perennis“ lehrt, durch den
sogenannten „habitus principorum“ gegeben. Der
heilige Thomas sagt: „Der
Erkenntnisfähigkeit ist ein natürlicher habitus
verliehen worden, nämlich die Einsicht in die ersten
Prinzipien, und das ist der höchste Grad der
Erkenntnis.“[9]
Und: „Dieses Licht der Vernunft,
durch das diese Prinzipien erkannt werden, ist uns von Gott eingegossen
worden.“[10]
Der Mensch besitzt also eine besondere Fähigkeit, die ersten
Prinzipien des Seins erkennen zu können und zwar mit einer
unumstößlichen Sicherheit. Der Erkennende
muß nur diese Evidenzen an-erkennen. Dazu muß er
jedoch das tiefe, unerschütterliche Seinsvertrauen, das ihm,
wie der heilige Thomas hervorhebt, von Gott geschenkt wurde, wach
halten. Allein durch dieses Seinsvertrauen getragen, gelangt der Mensch
zu weiterem, umfangreicherem Wissen. Ja mit diesem Urvertrauen kann er
bis zur Erkenntnis Gottes in der natürlichen Gotteslehre
emporsteigen. Dabei gilt es aber immer zu beachten: Je höher
die Erkenntnis emporsteigt, desto geringer wird an sich die
Gewißheit. Immer muß der Erkennende eingedenk
bleiben, was „die Alten sagen: die subjektive
Gewißheit des menschlichen Geistes könne niemals,
prinzipiell nicht, zum Maßstab gemacht werden für
die objektive Gewißheit des Wirklichen.“
Es zeigt sich also deutlich, die
richtige Erkenntnishaltung ist entscheidend für das ganze
Denken des Menschen. nach
oben
1.2.
Die Philosophie des Zweifels als Fundament des modernistischen Denkens
Wenn die Erkenntnishaltung des
Menschen für sein Denken so grundlegend ist, so ist es
naheliegend, bei der Beurteilung des Modernismus zuerst den
erkenntnistheoretischen Hintergrund dieses Denksystems zu beachten. Der
Modernismus baut sich auf einer Philosophie
des Zweifels, dem Agnostizismus,
auf.
Der Agnostizismus bezweifelt die
Möglichkeit des Menschen, mit seiner Erkenntnis über
die Phänomene der Welt hinaus gelangen zu können.
Alles, was nicht sichtbar ist, d.h. mit den Sinnen nicht erfahrbar ist,
ist für diese Philosophie in keiner Weise erkennbar und somit
ist es unmöglich, über dessen Wirklichkeit zu
urteilen. Folglich leugnet man die natürliche Gotteserkenntnis
und zudem wird die Selbstoffenbarung Gottes in dieser Welt als
unmöglich betrachtet. Man sagt nämlich, jede
Offenbarung Gottes würde wiederum unter die Phänomene
fallen und somit wiederum innerhalb den natürlichen Grenzen
dieser Welt liegen, weshalb sie eine natürliche
Erklärung erforderten. Durch diesen Zirkelschluß
wird in der Philosophie des Agnostizismus alles
Übernatürliche (ja schon alles Geistige) aus dem
Bereich der Vernunft ausgeschlossen. In der Enzyklika „Pascendi“
geht der hl. Pius X. auf
die philosophische Wurzel des Modernismus näher ein. Es
heißt darin:
„Beginnen
wir mit der Philosophie (* - die
höchste der rein natürlichen Wissenschaften). Als
Grundlage der Religionsphilosophie (* =die rein natürliche
Wissenschaft über die Verbindung des Menschen mit Gott)
betrachten die Modernisten die
unter dem Namen Agnostizismus (* =
Lehre von der völligen Unerkennbarkeit Gottes) bekannte
Doktrin. Nach ihr ist die menschliche Vernunft gänzlich auf
die Phänomene (* = alles das, was mit den fünf Sinnen
wahrnehmbar ist) beschränkt: das heißt, auf die
Gegenstände, welche äußerlich in
Erscheinung treten, und wie sie in diese äußere
Erscheinung treten. Diese Grenzen zu überschreiten hat sie
weder das Recht noch die Fähigkeit. Darum vermag sie sich auch
nicht zu Gott zu erheben und auch nicht Seine Existenz aus den
sichtbaren Dingen zu erkennen. Es folgt also, daß Gott auf
keinen Fall direkt Gegenstand der Wissenschaft (* = des
vernunftgemäß geordneten Aufbaues des Wissens) sein
könne; und was die Geschichte betrifft: daß Gott in
keiner Weise als Gegenstand der Geschichte (* NB: also letztlich als
nicht wirklich existierend!) anzusehen sei.“[11]
Die Philosophie des Zweifels kann mit
Gott nichts anfangen, denn sie kann das Dunkel des Glaubens nicht
verstehen. Darum verwirft sie den Glauben aufgrund der angeblich
mangelnden Gewißheit, welche er unserer Erkenntnis
gewährt. Die menschliche Vernunft wird durch den
systematischen Zweifel völlig auf die in Erscheinung tretenden
Dinge beschränkt, d.h. auf die materielle Welt. Alles
Nicht-Materielle ist für die Philosophie des Zweifels
unsichtbar und somit unerkennbar. Über diese geistige Welt
kann man nichts Gewisses sagen, immer bleibt sie mit einem Fragezeichen
versehen. Darum, so schließt man nun, kann Gott auch in
keiner Weise Gegenstand der Geschichte mehr sein, weil er als solcher
niemals erkannt werden kann. Gott verflüchtigt sich
für einen Agnostiker in eine ungewisse, unerkennbare und darum
eigentlich unvernünftige Vorstellung des Menschen ohne
eigentlichem Fundament in der Wirklichkeit.
In unserem Zusammenhang ist nun
wichtig zu beachten, diese Philosophie bildet die
erkenntnistheoretische Grundlage des Modernismus und auf dieser
philosophischen Grundlage baut sich der modernistische Glaube auf. Was
muß das aber für ein Glauben sein, der den Zweifel
zum Vater aller Gedanken macht? nach oben
Der katholische Glaube ist
eine göttliche Tugend. Als
solche hat der Glaube eine ganz einmalige Stellung im Geistesleben des
Menschen inne. Das Erste Vatikanische Konzil sagt: „Dieser Glaube aber, der der Anfang des menschlichen
Heiles ist [vgl. 1532], ist nach dem Bekenntnis der katholischen Kirche
eine übernatürliche Tugend, durch die wir mit
Unterstützung und Hilfe der Gnade Gottes glauben,
daß das von ihm Geoffenbarte wahr ist, nicht etwa wegen der
vom natürlichen Licht der Vernunft durchschauten inneren
Wahrheit der Dinge, sondern wegen der Autorität des
offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch
täuschen kann [vgl. 2778; Kan. 2]. „Der Glaube ist
nämlich“ nach dem Zeugnis des Apostels
„die Gewißheit zu erhoffender Dinge, der Beweis des
nicht Sichtbaren“ [Hebr 11,1].“[12]
Der wahre Glaube ist ein Geschenk
Gottes an den Menschen. Gott erleuchtet den Glaubenden durch die Gnade
so, daß er die Offenbarung als von Gott kommend erkennt und zweifelsfrei annimmt. Dem Glaubenden
wird der Glaube zum „Beweis des
nicht Sichtbaren“. Zwar übersteigt der
Glaube die menschliche Vernunft, aber er übersteigt diese
nicht in unvernünftiger Weise, sondern mit der Gnadenhilfe
Gottes und gestützt auf die Autorität des offenbarenden Gottes selbst,
der weder sich täuschen noch täuschen kann. Darum kennt der wahre
Glaube keinen Zweifel, ja er schließt diesen
vollkommen aus, der frei gewollte Zweifel wäre eine
Sünde gegen den Glauben. In der 1849 gehaltenen
Predigt „Glaube und Zweifel“ geht J.H. Newman auf
dieses Thema ein: »Es ist vollkommen richtig, daß
die Kirche ihren Kindern nicht gestattet, an ihrer Lehre irgendwie zu
zweifeln, und zwar zuerst aus dem einfachen Grunde, weil sie nur
insoweit Katholiken sind, wie sie glauben, und weil der Glaube mit dem
Zweifel unvereinbar ist. Keiner kann katholisch sein ohne den
schlichten Glauben, daß das, was die Kirche im Namen Gottes
verkündet, Gottes Wort und darum wahr ist. Der Mensch
muß einfach glauben, daß die Kirche der Mund Gottes
ist; er muß ebenso sicher sein über ihren Auftrag
wie über den Auftrag der Apostel«. Und wenn so viele
Protestanten es »für eine Art Tyrannei ansehen,
daß die Kirche ihren Kindern den Zweifel verbietet, so
beweist das nur, daß sie überhaupt nicht wissen, was
Glaube ist. In der Tat wissen sie es nicht - der Begriff ist ihnen
vollkommen fremd.« Der wirkliche Glaube, den die katholische
Kirche lebt, verbietet von seinem Wesen her den Zweifel: der Begriff
des Glaubens »schließt ein Vertrauen im Geiste des
Menschen ein, daß der Gegenstand des Glaubens wirklich wahr
ist; und wenn er einmal wahr ist, kann er niemals falsch
sein.«
1.3.2. Die
modernistische Verkehrung des Glaubens
Es ist
nun leicht ersichtlich, daß der Modernismus, der auf einer
Philosophie des Zweifels aufbaut, einen solchen Glaubensbegriff nicht
annehmen kann. Wie sollte sich Gott einem Modernisten offenbaren
können, wenn dieser der Überzeugung ist, man
könne Gott gar nicht erkennen und er könne in der
konkreten Geschichte des Menschen nicht vorkommen? Wir haben schon
festgestellt, in dem philosophischen System des Agnostizismus hat die
menschliche Vernunft keinen Zugang mehr zur Welt Gottes, Gott ist
für die Vernunft unerreichbar, er ist außerhalb der
vom Menschen erfahrbaren Welt. Ist aber der Vernunft
einmal der Weg zu Gott versperrt, wie kann der Mensch sodann noch zu
Gott gelangen, wird damit ein Glaube an Gott nicht schlechthin
unmöglich? Wie kann der Modernismus überhaupt noch
eine Religion begründen? Folgen wir dazu weiter den Gedanken Pius X. in seiner Enzyklika „Pascendi“:
„Sie
muß also im Menschen zu finden sein; und weil die Religion
eine Art Einrichtung des Lebens ist, darum kann diese
Erklärung nur im Leben des Menschen liegen. Daher das Prinzip
der religiösen Immanenz ( * d. h.: Religion ist auf das Innere
das Menschen beschränkt). ... Weil also Gott der Gegenstand
der Religion ist, so ergibt sich der Schluß, daß
der Glaube, der Anfang und die Grundlage einer jeden Religion (* hier:
= Verbindung mit Gott), in einem tiefinnerlichen Gefühle
bestehe, welches aus dem Bedürfnis nach dem
Göttlichen entspringt. Nun kann aber dieses
"Bedürfnis nach dem Göttlichen" an und für
sich nicht in den Bereich des Bewußten gehören, weil
es nur unter besonders günstigen Bedingungen fühlbar
wird; zunächst bleibt es vielmehr unterhalb des
Bewußtseins verborgen, oder wie sie es mit einem aus der
modernen Philosophie entlehnten Ausdruck sagen: im
Unterbewußtsein. Dort liegt auch seine Wurzel verborgen, und
sie bleibt unentdeckbar.“[13]
Das ist also die modernistische
Lösung: Der Glaube ist ein „religiöses
Gefühl“, ein „Bedürfnis nach dem
Göttlichen“, das dem Unterbewußtsein des
Menschen entspringt! Die Wurzel dieses Gefühls aber ist
unentdeckbar, unerkennbar, d.h. mit Hilfe der Vernunft niemals zu
fassen. Deshalb ist dieser Glaube an sich unvernünftig, man
glaubt, ohne einen rechten Grund dafür zu haben. Das kann
natürlich nicht ohne Konsequenzen bleiben. Zwei
sehr wichtige Folgerungen sollen hier kurz genannt werden:
1.Wenn der Glaube nur ein religiöses
Gefühl ist, gibt keinen objektiven Unterschied mehr zwischen
den verschiedenen Äußerungen dieses
Unbewußten (= Konfessionen). Das ist die Grundlage des
heutigen Ökumenismus.
2.Ein Glaube, der
bloßes subjektives Wunschdenken ist, kann keine wahre
Wissenschaft mehr sein und keine den anderen Wissenschaften
gleichrangige Erkenntnis mehr verbürgen, darum ist dieser
„Glaube“ wissenschaftlich nicht mehr ernst zu
nehmen.
Bei
dieser eigenartigen Glaubensgrundlage stellt sich freilich die Frage:
Wie kann ein Modernist bei diesem Glaubensbegriff überhaupt
noch von einer wahren Religion sprechen? Pius
X. erläutert diesen dialektischen Gedankensprung des
modernistischen Systems folgendermaßen:
„Nun könnte
jemand vielleicht fragen, wie denn dieses "Bedürfnis nach dem
Göttlichen", welches der Mensch in sich selbst
verspüren soll, zur Religion werde. Darauf lautet die Antwort
der Modernisten: Wissenschaft und Geschichte sind nach zwei Seiten hin
begrenzt: erstens nach außen auf die sichtbare Welt, und
zweitens nach innen auf das Bewußtsein. Ist eine dieser
Grenzen erreicht, dann geht es für sie nicht weiter; denn
darüber hinaus liegt das Unerkennbare. Angesichts dieses
Unerkennbaren nun ... erregt das "Bedürfnis nach dem
Göttlichen" in einem religiös gestimmten
Gemüte - in Übereinstimmung mit den Ideen des
Fideismus (* = blinder Glaube ohne die Verstandesgrundlage) - ein
Gefühl von eigener Art, ohne daß ein Urteil des
Verstandes vorausgeht. In diesem Gefühle ist aber die
Wirklichkeit Gottes selbst, sowohl als dessen Gegenstand als auch als
dessen tiefste Ursache, enthalten: und es vereinigt den Menschen
gewissermaßen mit Gott.
Dieses
Gefühl ist es, was die Modernisten "Glauben" nennen: es ist
ihnen der Anfang der Religion. ...“[14]
Nach dem Modernismus ist die Religion
eine gefühlsmäßige Antwort auf das
Unerkennbare im Leben des Menschen. In diesem Unerkennbaren,
außerhalb jeglicher Erfahrung Stehenden denkt sich der
religiöse Mensch Gott. Der Glaube ist darum für den
Modernisten nicht mehr im katholischen Sinne Anerkennung einer
äußerlichen, objektiven göttlichen
Offenbarung, sondern der Mensch „spürt“
Gott, er erlebt Gott in seinem Inneren und zwar, „ohne
daß ein Urteil des Verstandes vorausgeht“. Trotzdem
wird aber seltsamerweise behauptet: „In diesem
Gefühle ist aber die Wirklichkeit
Gottes selbst.“Wenn
man dies liest, erhebt sich spontan der Einwand: Wie kann man das von
den modernistischen Voraussetzungen her behaupten? Woher soll diese Wirklichkeit Gottes plötzlich
kommen, die man doch schon grundsätzlich
als unerkennbar geleugnet hat? Aus dem Gefühl des
Menschen, sagt man. Aber welche Wirklichkeit sollte dieses
Gefühl verbürgen können? Welchen Gott meint
das religiöse Gefühl? Schließlich kann man
auch einem Satanisten „religiöse
Gefühle“ nicht absprechen, nur daß es
völlig irregeleitete „religiöse
Gefühle“ sind. Welchen Wert können also
solche Gefühle für die wahre Religion haben? Pius X. erklärt uns auch dazu
die Ansicht der Modernisten:
„Ihre
Philosophie, oder besser ihre Träumerei, ist hier aber noch
nicht zu Ende. Sie finden in dem beschriebenen Gefühle nicht
nur den Glauben, sondern sie behaupten: bei dem Glauben und in dem so
verstandenen "Glauben" sei der Ort, wo die Offenbarung liege. Was
könnte jemand zur Offenbarung noch mehr verlangen? Solle man
es nicht "Offenbarung" oder doch den "Anfang der Offenbarung" nennen,
wenn jenes "religiöse Gefühl" im Bewußtsein
auftaucht? Solle man nicht sagen, daß Gott selbst in eben
diesem religiösen Gefühle, wenn auch eher
unkenntlich, sich dem Gemüte "offenbar" mache? Weiters
unterstellen sie dann: Weil Gott zugleich Gegenstand und Ursache des
Glaubens ist, so handelt jene „Offenbarung" von Gott und
rührt auch von ihm her. Sie umfasse Gott zugleich als den
offenbarenden und als den Geoffenbarten.“[15]
Das „religiöse
Gefühl“ wird auf einmal, durch die
Hintertüre möchte man sagen, zum Ort der Offenbarung.
Dort begegnet plötzlich Gott (?) dem Menschen, so
daß man es sogar wahre „Offenbarung“,
oder zumindest "Anfang der
Offenbarung" nennen kann. Leider
muß man ganz nüchtern feststellen: Diese „Offenbarung“ hat
einen entscheidenden Nachteil, sie ist nur ein Wunschdenken des
Menschen und in einem Wunschdenken gibt es kein
„wahr“ und „falsch“. Mit
welchem Recht sollte ein Modernist dem anderen sagen können,
„Meine religiöse Erfahrung ist richtig, Deine aber
ist falsch!“, wenn es keine vernünftige Grundlage
des Glaubens mehr gibt? Der Glaube wird somit zu einer völlig
willkürlichen Angelegenheit! Jeder kann glauben, was er will,
jeder hat seinen Gott, so wie er ihn denkt und fühlt und
wünscht und hofft. Gott ist somit nur noch eine
Worthülse für die religiösen Anschauungen
der Menschen. „Gott“, das bedeutet nichts
Konkretes, nichts Wirkliches mehr, es ist nur noch ein Name ohne
Inhalt, der die allgemeine Religiösität des Menschen,
sein religiöses Gefühl benennt. nach oben
Von dieser Grundlage des zweifelnden
Glaubens aus muß man die moderne Kirche verstehen lernen. Der
heutige Ökumenismus etwa, was ist er? Er ist ganz einfach die
praktische Anwendung des modernistischen Glaubensbegriffes auf die
anderen Religionen. Wenn es keine objektive Erkenntnis Gottes gibt,
dann hat jede Religion ihren „wahren“ Gott. Jede
Religion ist gut und richtig in ihrer Weise. Es gibt auf der Grundlage
dieses modernistischen Glaubens nur Variationen, aber keine
Gegensätze mehr, Einheit in der Vielfalt, wie es heute
heißt, man könnte auch sagen Einheit ohne Inhalt.
Aber nicht nur dies, man versteht
auch die moderne Liturgie nur aus diesem Gefühlsglauben
heraus. Der modernistische Gläubige braucht Gefühle,
denn diese sind für ihn Glauben. Darum muß die
Liturgie diesem Bedürfnis entgegenkommen, es muß
immer etwas los sein. Liturgie wird also zur Show, zur
Unterhaltungsfeier, in der es nicht mehr zuerst um die Anbetung Gottes
geht, sondern darum, daß man Gott erlebt, Gott spürt.
Und auf ähnliche Weise
werden alle Bereiche des kirchlichen Lebens durch den modernistischen
Glauben umgeformt, wie wir es nun seit mehr als 30 Jahren beobachten
können. Der moderne Glaube macht sich seine Kirche, seine
Sakramente, seine Liturgie, seine Gebote usw. nach oben
Wir haben im 1. Teil dargestellt, wie
sich im Modernismus der Glaubensbegriff wandelt und eine dem
katholischen Glaubensbegriff widersprechende Form annimmt.
Während der katholische Glaube ein vernünftiger
Glaube ist, ist der modernistische Glaube vernunftlos oder sogar
widervernünftig. Für den Modernisten stellt sich die
Frage, wie ernst er seinen Glauben eigentlich selber nehmen kann? Diese
Frage wird im alltäglichen Leben vielleicht nicht direkt
greifbar, aber indirekt muß sich der Glaubende oft damit
beschäftigen, vor allem dann, wenn er mit seinem Glauben
entgegenstehenden Meinungen konfrontiert wird. In diesem Fall
muß sich nämlich der Glaubende entscheiden, was er
nun eigentlich für wahr hält, seinen Glauben oder die
andere, diesem entgegenstehende Meinung.
2.1.Glaube
und Vernunft nach der Lehre der katholischen Kirche
Welche
Stellung hat eigentlich der Glaube im Leben des Menschen? Welche
Verpflichtung bringt er mit sich? Wie verhält sich der Glaube
zum natürlichen Wissen des Menschen?
Das
Erste Vatikanische Konzil sagt über das Verhältnis
von Glaube und Vernunft:
„Aber auch wenn der Glaube
über der Vernunft steht, so kann es dennoch niemals eine wahre
Unstimmigkeit zwischen Glauben und Vernunft geben [vgl. 2776; 2811]:
denn derselbe Gott, der die Geheimnisse offenbart und den Glauben
eingießt, hat in den menschlichen Geist das Licht der
Vernunft gelegt; Gott aber kann sich nicht selbst verleugnen, noch kann
jemals Wahres Wahrem widersprechen. Der unbegründete Anschein
eines solchen Widerspruchs aber entsteht vor allem daraus,
daß entweder die Lehrsätze des Glaubens nicht im
Sinne der Kirche verstanden und erläutert wurden oder
Hirngespinste für Aussagen der Vernunft gehalten werden.
„Wir definieren“ also, „daß
jede der Wahrheit des erleuchteten Glaubens entgegengesetzte Behauptung
völlig falsch ist“ [5. Konzil im Lateran:
1441].“[16]
Sowohl
der Glaube als auch die Vernunft (und damit die Erkenntnisse aus der
Vernunft) haben ihren Ursprung in Gott, „derselbe
Gott, der die Geheimnisse offenbart und den Glauben eingießt,
hat in den menschlichen Geist das Licht der Vernunft gelegt.“
Beide sind wahre Erkenntnismittel des Menschen und
verbürgen wahre Erkenntnis. Aus diesem Grund kann es zwischen
beiden an sich keinen Widerspruch geben. Kommt es dennoch zu einem
Widerspruch zwischen Glaube und Vernunfterkenntnis, dann liegt dies an
der mangelnden Einsicht des Menschen in eine dieser beiden Quellen der
Erkenntnis. Es ist nämlich möglich, „daß
entweder die Lehrsätze des Glaubens nicht im Sinne der Kirche
verstanden und erläutert wurden oder Hirngespinste
für Aussagen der Vernunft gehalten werden.“
Dabei ist aber immer zu beachten, daß der (durch die
göttliche Autorität verbürgte und darob
unfehlbare) Glaube über der (so leicht
irrtumsfähigen) menschlichen Vernunft steht. Aus diesem Grunde
definieren wir also, schließt darum das Konzil„daß
jede der Wahrheit des erleuchteten Glaubens entgegengesetzte Behauptung
völlig falsch ist“ [5. Konzil im Lateran: 1441].
Denn es ist immer zu beachten: „Die Lehre
des Glaubens, die Gott geoffenbart hat, wurde nämlich nicht
wie eine philosophische Erfindung den menschlichen Geistern zur
Vervollkommnung vorgelegt, sondern als göttliche
Hinterlassenschaft der Braut Christi anvertraut, damit sie treu
gehütet und unfehlbar erklärt werde. Daher ist auch
immerdar derjenige Sinn der heiligen Glaubenssätze
beizubehalten, den die heilige Mutter Kirche einmal erklärt
hat, und niemals von diesem Sinn unter dem Anschein und Namen einer
höheren Einsicht abzuweichen [Kan. 3].“[17]
Wir
sehen, das Konzil betont noch einmal ganz entschieden, daß
die Wissenschaft nicht das Recht hat, die Wahrheit des Glaubens mit der
Begründung zu relativieren, sie habe nunmehr
„höhere“ Einsichten gewonnen, welche die
„alten“ (Glaubens-) Einsichten in einem neuen Licht
erscheinen lassen. Immer ist die Wahrheit des Glaubens als eine
gnadenhafte Teilhabe an der göttlichen Erkenntnis die
„höhere“ Erkenntnis und nach dieser
Erkenntnis muß sich auch jede wahre wissenschaftliche
Erkenntnis ausrichten, will sie nicht in die Irre gehen. Dies zeigt
aber sofort, daß letztlich nur eine den Glauben anerkennende
Wissenschaft wahre Wissenschaft sein kann, eine glaubenslose
Wissenschaft wird notwendig zur Ideologie entarten und sich gegen den
Glauben richten. Arbeiten aber Glaube und Vernunft (Wissenschaft) im
Geiste des Lehramtes zusammen, dann gilt:
„Auch können Glaube
und Vernunft nicht nur niemals untereinander unstimmig sein, sondern
sie leisten sich auch wechselseitig Hilfe [vgl. 2776; 2811]; denn die
rechte Vernunft beweist die Grundlagen des Glaubens und bildet, von
seinem Licht erleuchtet, die Wissenschaft von den göttlichen
Dingen aus; der Glaube aber befreit und schützt die Vernunft
vor Irrtümern und stattet sie mit vielfacher Erkenntnis aus.
Deswegen ist es weit gefehlt,
daß die Kirche der Pflege der menschlichen Künste
und Wissenschaften Widerstand leiste; vielmehr unterstützt und
fördert sie diese auf vielfache Weise. ...
Auch verbietet sie keineswegs,
daß diese Wissenschaften in ihrem jeweiligen Bereich ihre
eigenen Prinzipien und ihre eigene Methode anwenden; diese
gerechtfertigte Freiheit anerkennend, achtet sie aber eifrig darauf,
daß sie nicht der göttlichen Lehre widerstreiten und
so Irrtümer in sich aufnehmen oder in Überschreitung
ihrer eigenen Grenzen das, was des Glaubens ist, in Beschlag nehmen und
durcheinanderbringen.“[18]
Die Konzilsväter geben den
Grundsatz, der das Verhältnis von katholischem Glauben und den
Wissenschaften ordnet, an: „Glaube und Vernunft (können)
nicht nur niemals untereinander unstimmig sein, sondern sie leisten
sich auch wechselseitig Hilfe.“ Da
die natürliche und die übernatürliche
Wahrheit ein- und derselben Quelle entspringen, folgt daraus
wesensnotwendig, daß es zwischen echten Erkenntnissen auf
beiden Bereichen der Wissenschaft keine Widersprüche geben
kann, sondern sich im Gegenteil die wahren Ergebnisse gegenseitig
bereichern und stützen. Solange jede Wissenschaft ihre
Methoden richtig anwendet und ihre eigenen Grenzen anerkennt, wird es
darum auch keine Differenzen geben. Wenn aber eine Seite diese Grenzen
überschreitet, werden Unstimmigkeiten nicht ausbleiben. Vor
allem muß man sich auch fragen, welche Auswirkungen es auf
die wissenschaftliche Forschung selbst haben muß, wenn diese
sich ganz von Gott löst! nach oben
2.2.Die
modernen Wissenschaften und der Modernismus
Der Fortschritt in den Wissenschaften
(wobei vor allem die Naturwissenschaften für diesen
Fortschritt entscheidend sind), hat eine technische Revolution
ausgelöst, welche die menschliche Gesellschaft entscheidend
verändert hat. Aber nicht nur dies, der technische Erfolg der
naturwissenschaftlichen Erkenntnis hat seinerseits wieder zu einer
immer höheren Wertschätzung der modernen Wissenschaft
geführt, so daß allmählich die (natur-)
wissenschaftlichen Erkenntnisse immer dominanter wurden und das Denken
des Menschen wesentlich zu prägen begannen. Die Menschen
wurden, durch den Erfolg geblendet, immer
wissenschaftsgläubiger.[19]
Dieser wachsende Einfluß in allen Bereichen der Wissenschaft
ging zudem Hand in Hand mit dem neuen Anspruch der (Natur-)
Wissenschaften, eine lückenlose Weltdeutung zu
ermöglichen, welche allein vor den neuesten
Forschungsergebnissen bestehen könne. Mit diesem Anspruch
tritt die moderne Wissenschaft unwillkürlich neben den
Glauben, der ebenfalls universale Weltdeutung ist. Wie soll sich nun
der Glaubende verhalten?
Wir haben schon gesehen,
daß der Modernismus den Glauben von der Vernunft trennte und
ihn zu einem religiösen Gefühl degradierte,
während der Vernunft des Menschen die Entdeckung der
äußeren Welt zugewiesen wurde. Nur noch die Vernunft
kann wahre Erkenntnisse gewinnen, der Glaube kann nach dem
modernistischen System nur subjektive Eindrücke
gewähren, die immer relativ sind. Darum fragt A. Loisy, wohl
der bekannteste Vertreter des ersten Modernismus (um 1900) in
„Autour d’un petit livre“: „Der
Fortschritt der Wissenschaft stellt in neuen Ausdrücken das
Gottesproblem. Der Fortschritt in der Geschichte stellt in neuen
Ausdrücken das Christusproblem und das Kirchenproblem. Legt
nicht die jetzige Kenntnis des Weltalls eine Kritik des
Schöpfungsbegriffes nahe? Leitet nicht die Geschichtskenntnis
zu einer Kritik der Idee der Offenbarung? Die Kenntnis der menschlichen
Sittlichkeit, führt sie uns nicht zur Kritik des
Erlösungsbegriffes?“
All diese Fragen offenbaren den
verderblichen Geist des Zweifels, den Geist der Kritik, der hier alle
Bereiche des Glaubens in Frage stellt. Dabei werden diese den Glauben
zersetzenden Fragen mit dem „Fortschritt der
Wissenschaften“ begründet. Für das
modernistische System ist dies durchaus verständlich, denn es
behauptet, wie das Dekret Lamentabili Pius X.
es im Satz 64 formuliert: „Der
Fortschritt der Wissenschaften erfordert, daß die
Vorstellungen der christlichen Lehre von Gott, von der
Schöpfung, von der Offenbarung, von der Person des
Fleischgewordenen Wortes und von der Erlösung umgebildet
werden.“[20]
Mit diesem Satz 64 vollzieht das
modernistische System den dialektischen Sprung vom
übernatürlichen göttlichen Glauben zum
Glauben an die modernen Wissenschaften. Nachdem man die Religion von
der Vernunft getrennt und in der Bereich der Innerlichkeit (= des
irrationalen Gefühls) verbannt hat, bleibt für den
Modernisten keine andere Wahl. Sobald die Wissenschaften neue
Erkenntnisse gewinnen, welche mit dem „Glauben“
nicht übereinstimmen, erfordert dies eine Angleichung auf
Seiten des „Glaubens“. Da nämlich die
(exakten) Wissenschaften mit ihrem Fortschritt im modernistischen
System die Führung auf dem Gebiete des Wissens
übernommen haben, muß sich der Modernist fragen:
„Kann der Glaube überhaupt –
vernünftigerweise! – irgendeinen Einwand gegen
wissenschaftliche Erkenntnisse erheben?“ Die Antwort kann
für einen Modernisten nur ganz klar heißen:
„Nein!“ Da sich der modernistische
„Glaube“ schon prinzipiell der Wissenschaft
erkenntnismäßig untergeordnet hat, muß er
sich ständig der Wissenschaft angleichen. Von der
modernistischen Ideologie aus gesehen ist dies nur konsequent, denn die
subjektive religiöse Erfahrung der Modernisten ist, wie wir
gezeigt haben, ihrem Wesen nach ein sich ständig
änderndes, rein subjektives Gefühl. In diesem Strom
der sich ständig ändernden Erlebnisse können
darum allein die Wissenschaften der Vernunft eine gültige
Orientierung geben. Dementsprechend folgert Satz
65 desselben Dekretes: „Der heutige Katholizismus kann mit der wahren
Wissenschaft nicht vereinbart werden, wenn er nicht in ein
undogmatisches Christentum verwandelt wird, das heißt, in
einen weiten und liberalen Protestantismus.“[21]Wenn man das
modernistische System akzeptiert, ist das in Satz 65 Gesagte die einzig
mögliche, logische Konsequenz. Eine Glaubensaussage, welche im
Widerspruch zu der „wahren“ Wissenschaft steht, ist
für einen Modernisten unhaltbar, sie muß
geändert, muß der wissenschaftlichen Erkenntnis
angeglichen werden. Der Glaube seinerseits wird damit als solcher
„undogmatisch“, das heißt, es gibt im
eigentlichen Sinne keine „Glaubenswahrheiten“ mehr,
sondern nur noch sich ständig ändernde, subjektive
Meinungen. Damit löst sich schließlich jegliche
Religion auf, denn es gibt in diesem undogmatischen Christentum
natürlich auch keinen wahren und falschen Gott mehr, sondern
jeder hat seinen Gott, so wie er ihn denkt und fühlt und
empfindet, oder, wenn er meint, auch gar keinen Gott, denn so sagt Satz 58 des Dekretes Lamentabili:
„Die Wahrheit ist nicht
unveränderlicher als der Mensch selbst, da sie sich ja mit
ihm, in ihm und durch ihn entwickelt.“[22]
Somit steht man am Ende der
Gedankenreihe – „Alles fließt“,
sprach Heraklit und die moderne Kirche, die fließt mit. nach oben
Es soll wenigstens an einem Beispiel
diese modernistische Haltung gegenüber der Wissenschaft
dargestellt werden.
Am 27. Mai 2000 brachte die Tagespost
auf Seite 5 unter dem Titel, „Alte Begriffe haben ausgedient
– Vatikan Astronom: Vorstellungen vom Schöpfergott
modernisieren“ Folgendes:
„Im einzelnen schrieb
Coyne, das Gottesbild der Theologen,
insofern es um das rationale Begreifen der geoffenbarten Wahrheit gehe,müsse
den Entwicklungen des menschlichen Denkens angepaßt werden.
Auch die Vorstellung vom Schöpfergottmüsse den Begriffen der modernen
Kosmologie entsprechen.
In diesem Sinne sei Gott
als der Schöpfer eines Universums zu begreifen, in dem "das Ziel und der Plan der
Schöpfung nicht die einzigen und nicht einmal die wichtigsten
Faktoren"seien, sondern
in dem "Spontaneität und
Unbestimmtheit entscheidend zur Entwicklung eines Universums
beigetragen haben, in dem das Leben erschienen ist". Ein
"allmächtiger und allwissender Gott im Sinne eines
Newtonschen Universums, in dem alles vorherbestimmt und deterministisch
ist", entspreche nicht dem heutigen
wissenschaftlichen Kenntnisstand, schrieb der Jesuit weiter,
der die vatikanische Sternwarte seit 1978 leitet. ... Trotz
weitgehender Übereinstimmung distanzierte sich der
Vatikan-Astronom Coyne von einem "Trend" in
der heutigen Wissenschaft, die Gott nicht als Person begreife, sondern
als bloße Erklärungsformel für die Welt.
Für den Theologen und Gläubigen sei Gott
jedoch wesentlich mehr als dies und
mehr als eine bloße Information, hob der Jesuit Coyne in
seinem L'Osservatore-Artikel, der anlässlich der
Heilig-Jahr-Feier der Wissenschaftler in der Vatikanzeitung erschien,
hervor.“ (Kursive vom Verfasser)
Wir sehen, der Vatikan-Astronom
handelt ganz gemäß den modernistischen
Grundsätzen, indem er fordert:
„das Gottesbild der Theologenmüsse
den Entwicklungen des menschlichen Denkens angepaßt
werden.“ In diesem Sinne gibt er sodann bedenkenlos
den „allmächtigen und allwissenden Gott“
der Offenbarung preis, um dadurch „Spontaneität und
Unbestimmtheit“ (= Zufall) als neuen
„Gott“ der modernen Wissenschaften
einführen zu können. Daß damit
eingeschlossen von der modernen Wissenschaft „Gott“
nicht mehr als Person begriffen wird, sondern nur noch als
Erklärungsformel für die Welt dient, das habe nach
Coyne für den Theologen und
Gläubigen keine zwingende
Bedeutung, für diese (d.h.
für die Wissenschaftler kann es anders sein) könne er
dennoch wesentlich mehr sein als dies, mehr als eine bloße
Information. Mit welchem Recht der Jesuit das freilich behauptet,
nachdem er seinen „Gott“ in
Übereinstimmung mit der modernen (atheistischen) Kosmologie
gebracht hat, das ist sein Geheimnis – oder man
könnte auch sagen, seine modernistische Wunschvorstellung. Die
moderne Wissenschaft jedenfalls wird diese theologische
Wunschvorstellung sicherlich nicht ernst nehmen, warum sollte sie auch?
nach oben
Der Glaube keine bloße
Theorie, der man sich einfach neutral gegenüber verhalten
könnte, weil sie keinen direkten Bezug zum eigenen Leben
hätte. Der Glaube ist darum auch nicht einfach das logische
Ergebnis langer Studien, nicht der Gescheitere findet leichter zum
Glauben, sondern der Glaube ist ein göttliches Geschenk und
nur derjenige, der sich der Gnade Gottes öffnet, gelangt zum
Glauben. Aus diesem Grunde gefährden nicht nur
Irrtümer den Glauben, sondern auch moralisches Versagen. Unser
Herr Jesus Christus sagt deswegen: „Das aber ist das Gericht,
daß das Licht in die Welt gekommen ist und die Menschen die
Finsternis mehr liebten als das Licht; denn ihre Werke waren
böse.“ (Joh 3,19)
„Um den Modernismus
noch gründlicher kennenzulernen“, schreibt
Pius X., „und für eine so schwere Wunde die
geeigneteren Heilmittel zu suchen, ist es angebracht,
Ehrwürdige Brüder, nunmehr auch den Ursachen
etwas nachzugehen, welche das Übel ausbrechen oder gedeihen
ließen. Zweifellos liegt seine nächste und
unmittelbare Ursache in einem Irrtum des
Verstandes. Zwei entferntere Ursachen erkennen wir jedoch in Neubegierde und Stolz
( * Stolz = hochmütiges Selbstgefühl). ...
Ganz gewiß gibt es keinen
kürzeren und leichteren Weg zum Modernismus
als den Stolz. Wenn ein Katholik
aus dem Kreis der Laien, oder wenn sogar irgendein Priester die
christliche Lebensregel vergißt, die befiehlt, daß
wir uns selbst verleugnen müssen, wenn wir Christus nachfolgen
wollen: falls er den Stolz nicht
aus seinem Herzen reißt: dann ist dieser vor allen anderen am
meisten ausgestattet zur Gutheißung und Annahme der modernistischen Irrtümer.[23]“
nach oben
Der Modernismus hat nicht nur eine
verstandesmäßige Seite[24],
sondern auch eine moralische. Es ist letztlich der Stolz des Menschen,
– das Streben nach Autonomie, wie der Stolz seit der
Aufklärung umschrieben wird – der seine
Loslösung von Gott motiviert. Der stolze Mensch ist nicht mehr
bereit, das süße Joche unseres Herrn Jesus Christus
zu tragen, er möchte von allen Bindungen frei sein,
möchte sich seine eigenen Gebote machen. Dementsprechend
verkündet er eine freie Sittlichkeit. Der stolze Mensch
spürt dabei intuitiv, daß seine
Selbstüberheblichkeit in Widerspruch zu Gott und jeder von
Gott legitimierten Autorität steht. Deshalb zieht er alles in
Zweifel und leugnet schließlich sogar die Existenz Gottes
oder zumindest entwirft der Stolze sich ein Gottesbild, das ganz seinen
persönlichen Neigungen entspricht.
Dietrich von Hildebrand gibt zu
bedenken: „Wir müssen uns klar bewußt
werden, daß gerade die innige und letztliche Verbindung von
Moral und Religion ein Wesensmerkmal der christlichen Offenbarung ist.
Die sittliche Gutheit und die ehrfurchtgebietende Absolutheit des
Göttlichen sind in einer einzigartigen Weise in der
Gegebenheit der Heiligkeit miteinander verschmolzen. In der heiligen
Menschheit Christi ist diese Heiligkeit als etwas vollkommen Neues
gegeben, als etwas, was jenseits aller Ideale liegt, die der
menschliche Geist zu erfinden imstande ist. Und doch ist die Heiligkeit
zugleich die Erfüllung und Verklärung aller
natürlichen Sittlichkeit.
Der Amoralismus, der sich unter
Katholiken verbreitet, ist in der Tat eines der beunruhigendsten
Anzeichen für den Verlust des wahren christlichen Glaubens.
Güter wie das irdische Wohlergehen der Menschen,
wissenschaftlicher Fortschritt, die Beherrschung der
Naturkräfte, werden entweder für wichtiger gehalten
als moralische Vollkommenheit und die Vermeidung von Sünden,
oder sie erregen zumindest viel mehr Interesse und
größere Begeisterung.[25]“
Was würde Dietrich von
Hildebrand sagen, wenn er unsere heutige Gesellschaft und unsere
moderne Kirche vor sich sähe? Wir müssen es
tagtäglich mit Schrecken feststellen, der moderne Mensch wird
immer wertblinder, er löst die sittliche Gutheit mehr und mehr
in Scheinwerte auf, unter welchen der wissenschaftliche Fortschritt
zusammen mit dem Zauberwort „Freiheit“ einen
führenden Platz einnehmen. Mit diesen Schlagwörtern
werden selbst die schwerwiegensten sittlichen Fehlorientierungen
gerechtfertigt und der Weg in die völlige Dekadenz der
Gesellschaft freigemacht. Der Stolze leugnet letztlich seine
Abhängigkeit von Gott, im intellektuellen Bereich durch die
Wertfreiheit der Wissenschaften, im moralischen Bereich durch
„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“.
Der Stolze leugnet darin eingeschlossen die Erbsünde und ihre
Folgen, er leugnet die Erlösungsbedürftigkeit,
leugnet die Notwendigkeit der Gnade, leugnet das Opfer und das Kreuz.
Kurzum, er leugnet alles, was seinem eigenen „Ich“,
seiner „Selbstverwirklichung“, wie der Egoismus
modern benannt wird, im Wege steht.
Ein von Pius
X. im Dekret Lamentabili
verurteilter Satz des Modernismus lautet folgendermaßen: „Bei der
Definition von Wahrheiten wirken die lernende und die lehrende Kirche
so zusammen, daß der lehrenden Kirche nichts
übrigbleibt, als die allgemeinen Meinungen der lernenden zu
bestätigen.[26]“
In diesem
Satz wird die moderne Geisteshaltung konsequent auf die Kirche
angewandt. Nach den
Modernisten hat die Kirche nichts anderes mehr zu tun, als die
„neuesten“ Einfälle menschlicher
Willkür (diese nennt man heute Freiheit) anzuerkennen und
sodann als „neueste“ Lehre zu verkünden.
Es ist also im Modernismus nicht mehr der Mensch, der sich nach der
Wahrheit und nach den Geboten Gottes zu richten hat, sondern umgekehrt,
die Wahrheit und die Gebote müssen sich nunmehr nach dem
Menschen richten. Die modernistische Kirche darf infolgedessen nicht
mehr als von Gott gestiftete Autorität zur Wahrung von Glaube
und Sitte auftreten, sondern sie hat nur die Meinung der Mehrheit zum
Ausdruck zu bringen. Denn, so heißt es im Satz 58 desselben
Dekrates: „Die Wahrheit ist nicht unveränderlicher
als der Mensch selbst, da sie sich ja mit ihm, in ihm und durch ihn
entwickelt.“[27]
Somit
kann der Mensch machen, was er will, er selber ist obersten Lehrer und
Gesetzgeber, und das war es ja, was der Stolz dem Menschen eingab. Pius
X. hat es ganz richtig gesehen, es gibt „keinen
kürzeren und leichteren Weg zum Modernismus
als den Stolz.“ nach oben
3.2. Die
„luxuria“ als grundlegendes Laster des modernen
Menschen
„Alles
weltliche Wesen führt sich auf drei Dinge zurück:
Ehre Reichtum, Vergnügen.“[28]
Durch
was wird die moderne Gesellschaft mehr gekennzeichnet als durch das
Wohlstandsdenken? Die westliche Welt hat einen Reichtum
angehäuft, wie er im Laufe der Menschheitsgeschichte wohl
einmalig sein dürfte. Diesem äußeren
Reichtum entspricht auch eine innere Haltung: Der moderne Mensch
möchte es sich gut gehen lassen, er möchte ein
möglichst bequemes Leben voller Annehmlichkeiten
führen, ein Leben des Luxus. Nur noch das, was
Vergnügen bereitet, wird auch als anstrebenswert erachtet.
Alles aber, was dem Vergnügen im Wege steht, wird
zurückgewiesen, verachtet, geleugnet, lächerlich
gemacht. Der heilige Thomas von Aquin spricht deshalb von der
„luxuria“, der
„Vergnügungssucht“ als einem grundlegenden
Laster des Menschen.
Die Vergnügungssucht, so
belehrt uns der Heilige weiter, hat ihr Ziel letztlich in der
Unkeuschheit, weil diese dem Menschen die größte
Lust verspricht. Der dem Vergnügen nachjagende Mensch, wird
darum auch immer unkeusch sein. Dies zeigt sich deutlich in der
sogenannten „Sexuellen Revolution“, durch welche
das Laster der Unkeuschheit in der Vergnügungsgesellschaft
allgemein wurde. Man spricht nunmehr nur noch von der „freien
Liebe“ und stellt das Laster als selbstverständlich
hin. Dabei hat diese „Sexuelle Revolution“ eine
viel tiefere Wirkung auf den Menschen, als man gemeinhin zugesteht.
Weshalb man auch die moderne Gesellschaft nur dann recht beurteilen
kann, insofern man die tieferen Wirkungen dieser Revolution aufdeckt.
Eine erste, entscheidende Einsicht in
die Sünde der Unzucht ist nun die, sie ist nicht nur eine
vereinzelte Unordnung der Seele, sondern wirkt sich auf das ganze
moralische Verhalten des Menschen aus. Ja, durch diese Sünde
wird das „Gefüge der Person
zerstört“, wie es Josef Pieper hervorhebt.
„Wieso aber“,
fragt der große Philosoph, „und in welcher Weise
zerstört Unzucht das Gefüge der Person?
Durch Unzucht am meisten wird die
Tugend der Klugheit verfälscht und verdorben; alles, was der
Tugend der Klugheit widerstreitet, entspringt zumeist aus der
Unkeuschheit; Unkeuschheit gebiert eine Blindheit des Geistes, die
nahezu völlig die Erkenntnis der Güter des Geistes
ausschließt; Unkeuschheit spaltet die Entscheidungskraft. Die
Tugend der Keuschheit aber macht den Menschen mehr als alles andere
fähig und bereit zur Beschauung.
In allen diesen Sätzen des
heiligen Thomas ist nicht von abgetrennten Wirkungen und Folgen die
Rede; nicht auf solche Weise wird der Geist durch Unkeuschheit
«blind», wie eine Pflanze in regenloser Zeit
erschlafft. Sondern: diese Blindheit ist das zerstörerische
Wesen der Unkeuschheit selbst, nicht äußere Wirkung
und Folge, sondern innewohnende Wesenseigentümlichkeit.[29]“
Mit Thomas von Aquin betont Josef
Pieper: „Durch Unzucht am meisten wird die Tugend der
Klugheit verfälscht und verdorben.“ Warum dies? Die
Sünde der Unkeuschheit nimmt den Geist des Menschen innerlich
gefangen, da sie ihn ganz zu den sinnlichen Genüssen
hinabzieht. Die weiter Folge davon ist, daß der Mensch den
Geschmack am Geistigen verliert. Darum wird der Unkeusche
allmählich in seinem Urteil befangen, d.h. er sieht die
Wirklichkeit nicht mehr so, wie sie ist, sondern nur noch durch die
Brille seiner entfesselten Leidenschaft. „Unkeuschheit
gebiert eine Blindheit des Geistes, die nahezu völlig die
Erkenntnis der Güter des Geistes
ausschließt“, sagt Josef Pieper mit dem heiligen
Thomas von Aquin. Kann man sich aber für einen Menschen etwas
Schlimmeres vorstellen als dies: Unfähig geworden zu sein, die
geistigen Güter zu erkennen? Was wird denn aus einem Menschen,
für den die Güter des Geistes nicht mehr existieren?
Ein solcher Menschen geht auf die Jagd nach dem Vergnügen!
Alles Geistige dagegen findet er fade und unwirklich. Gott, Seine
Gebote, das ewige Leben, Güte, Edelmut, alle geistigen
Wirklichkeiten werden ihm fremd und langweilig.
Eine unmittelbare Wirkung dieser
verhängnisvollen Situation ist sodann die Erlahmung der
sittlichen Kraft des Willens, denn: „Unkeuschheit spaltet die
Entscheidungskraft“. Der Unkeusche vermag deshalb nicht mehr
beharrlich das Gute zu tun, seine Vorsätze werden immer
kraftloser und sein Wille wird langsam zum Spielball seiner
Leidenschaften. Wehrt er dieser geistigen Fehlentwicklung nicht, so
verstrickt er sich allmählich ganz in diese Sünde, so
daß er ihr nicht mehr zu widerstehen vermag. Mit jeder
weiteren Sünde verdunkelt sich aber wiederum seine
Urteilskraft und schwächt sich noch mehr sein Wille
– es entsteht also ein Teufelskreis, aus dem der
Sünder ohne eine außerordentliche Gnadenhilfe Gottes
niemals mehr herauskommt. Die verheerenden Auswirkungen dieser
Situation auf das religiöse Leben des Menschen sind leicht
auszumalen. Der heilige Thomas von Aquin nennt acht
„Töchter[30]
der luxuria“[31],
welche diese Entwicklung näherhin und bis zur letzten
Konsequenz verfolgen: Diese acht „Töchter“
sind folgende:
Verblendung des Geistes,
Unbesonnenheit, Überstürzung,
Unbeständigkeit, Eigenliebe, Haß Gottes,
Anhänglichkeit an die Welt und Verzweiflung an der Ewigkeit.
Man muß die Reihe dieser
„Töchter der luxuria“ schon öfter
lesen und eine Zeit lang auf sich wirken lassen, ehe sich in diesen die
feine psychologische Wirkung der Sünde der Unkeuschheit zeigt.
Über verschiedene Entwicklungsstufen hinweg führt
diese Sünde zum Haß Gottes und zur Verzweiflung an
der Ewigkeit. Anfangs wird der Unkeusche noch von Gewissensbissen
geplagt. Wenn er diese aber nicht ernst nimmt und sein Leben nicht
ändert, verfinstert sich sein Geist mehr und mehr, d.h. er
verkennt den Ernst der Sünde und den Ernst seiner eigenen
Lebenssituation. Der Widerspruch zwischen Glauben und Leben stachelt
seine Eigenliebe an und diese wird sich von Sünde zu
Sünde unmerklich zum Haß Gottes auswachsen. Sodann
stürzt sich der Unkeusche ganz in die weltlichen
Genüsse, um schließlich an den ewigen
Gütern, an der Rettung seiner Seele vollkommen zu verzweifeln.
Das ist also der von den
„Töchtern der luxuria“ vorzeichnete
seelische Entwicklungsweg des Unkeuschen. Nicht umsonst weisen viele
Heilige darauf hin, daß die meisten Menschen aufgrund der
Sünde der Unkeuschheit verdammt werden. Der hl. Augustinus
geht soweit zu sagen: „Die Welt wäre
gläubiger, wenn sie nicht so unkeusch
wäre.“ Betrachtet man nun die heutige Gesellschaft,
so ist es nicht schwer, die Psychologie der Sünde der
Unkeuschheit herauszulesen. Depressionen und
Lebensüberdruß sind die Endstationen der sexuellen
Revolution. Sobald nämlich die weltlichen Genüsse
nicht mehr die Leidenschaften befriedigen, spürt der Mensch
die eigene innere Leere und verfällt der Verzweiflung. nach oben
Aus dem in 3.1. Gesagten, ist schon
deutlich genug geworden, daß für die Modernisten
auch die Sittlichkeit nicht unangestastet bleiben kann. Wie
verhält sich der Modernist gegenüber den
Umwälzungen der modernen Gesellschaft auf dem Gebiet der
Moral? Auch auf diese Frage soll uns wieder ein Satz des Dekretes
Lamentabili Antwort geben:
Die
Kirche erweist sich als unfähig, die Ethik des Evangeliums
wirksam zu schützen, weil sie hartnäckig an
unveränderlichen Lehren hängt, die mit den heutigen
Fortschritten nicht vereinbart werden können.[32]
Das will also der Modernist,
daß man die „Ethik des Evangeliums“ dem
heutigen Fortschritt anpasst. D.h. etwa bei Geschiedenen
Wiederverheirateten, daß man sie zur Kommunion zulassen
muß, weil das heute dem gesellschaftlichen Empfinden
angemessen ist. Also: Der Modernist nennt nicht mehr die Sünde
Sünde und fordert darum auch nicht mehr zur Besserung des
Lebens auf, sondern er leugnet die Sünde. Wenn es aber keine
Sünde mehr gibt, dann gibt es natürlich auch nur noch
lauter gute Menschen und deshalb kommen auch alle in den Himmel. Nehmen
wir nochmals das Beispiel der Unkeuschheit, um das Denken der
Modernisten zu veranschaulichen. Früher war die Unkeuschheit
eine schwere Sünde, heute nennt man sie „freie
Liebe“ – denn, so sagt man, wenn sich die beiden
nun einmal lieben, wie könnte man da etwas Schlechtes denken
und das dann verbieten?! Es gibt im Modernismus letztlich keine
bleibenden Normen mehr, in diesem Denksystem sind die
göttlichen Gebote nicht mehr unveränderlich. Der
heilige Paulus hat noch gesagt: „Kein Unzüchtiger
oder Unreiner oder Habsüchtiger, was so viel wie
Götzendiener ist, hat Anteil am Reiche Christi und
Gottes“ (Eph 5,5) – Für einen Modernisten
gilt das heute, im Jahr 2000, natürlich nicht mehr.
Man muß sich angesichts der
gesellschaftlichen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ernsthaft die
Frage stellen, ob nicht viele Menschen auch deshalb Modernisten sind,
weil ihr Leben modernistisch geworden ist? Das heißt, weil es
nicht mehr mit den Geboten Gottes im Einklang steht. Der moderne Mensch
möchte unter gewissen Umständen noch an Gott glauben.
Aber dieser „Gott“, darf nicht verlangen, man
müsse sein Leben ändern, dieser
„Gott“ darf keine Gebote geben, darf keine Opfer
fordern, geschweige denn, daß er bei Übertretung der
Gebote mit einer ewigen Hölle drohen dürfe. Der
moderne „Gott“ darf nur eines, alle Menschen in den
Himmel nehmen – das ist das einzige Grunddogma des
Modernismus. Man muß das System des Modernismus nur einmal
genauer beschauen, am Anfang und am Ende steht immer unausgesprochen
dieser eine Wunsch, diese große Illusion, um derentwillen man
bereit ist zu allen Irrtümern, bereit ist, die Gebote Gottes
zu leugnen, bereit ist den wahren Glauben zu zerstören
– es kommen alle Menschen in den Himmel, wenn es einen Himmel
gibt – denn ob es wirklich einen Himmel gibt, kann man als
Modernist natürlich nicht wissen. nach oben
[1]
(Hl.) Papst Pius X., Apostolisches Rundschreiben Pascendi Dominici
Gregis vom 8. September 1907; Freude an der Wahrheit Nr. 20, Karl
Haselböck, Wien 1977/1991, S 52f
[2]
„Zweifellos liegt seine nächste und unmittelbare
Ursache in einem Irrtum des Verstandes.“
Ebd. S 56
[3]
Descartes: Untersuchungen über die Grundlagen der Philosophie,
S. 21. Digitale Bibliothek Band 2: Philosophie, S. 15787 (vgl.
Descartes-PW Abt. 2, S. 19-20)
[4]
„Über das Verlangen nach
Gewißheit“, aus: Josef Pieper, Weistum –
Dichtum – Sakrament, Aufsätze und Notizen,
Kösel-Verlag, München 1954, S 42ff
[7]
„Über das Verlangen nach
Gewißheit“, aus: Josef Pieper, Weistum –
Dichtum – Sakrament, Aufsätze und Notizen,
Kösel-Verlag, München 1954, S 42ff
[8]
„Dieser Wissenschaftsfetischismus geht Hand in Hand mit einem
erkenntnistheoretischen Vorurteil - daß nämlich
unsere Erkenntnis eines Seienden umso gewisser sei, je niedriger dieses
metaphysisch steht. Ein physiologischer Gehirnvorgang scheint auf diese
Weise eine viel seriösere und unbezweifelbarere Wirklichkeit
zu sein, als ein Akt des Schließens. In dieser mit
Vorurteilen belasteten Haltung betrachtet man das Universum
á la baisse. Man hält es für gesichert,
daß ein Instinkt realer ist als eine sinnvolle Antwort wie
Freude, obwohl uns die letztere in ihrer vollen Wirklichkeit nicht
weniger gegeben ist. Diese Haltung schließt aber nicht nur
das Vorurteil ein, daß man alle niedrigen Gegebenheiten
erkenntnismäßig für gesicherter
hält, sondern auch noch den Versuch, jede sinnvolle, geistige
Wirklichkeit auf diese niedrigeren Gegebenheiten
zurückzuführen, indem man die ebenso
berühmte wie sinnlose "nichts-als"-Methode anwendet. So
behauptet man zum Beispiel, Liebe sei im Grunde nichts als
Sexualität.
Vielleicht die
gefährlichste Wirkung des Wissenschaftsfetischismus ist,
daß man aus jedem Bereich des menschlichen Lebens einen
Gegenstand für Laboratoriumsanalysen macht und damit den
lebendigen Kontakt mit der Wirklichkeit zerstört.“
(Dietrich von Hildebrand, Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes,
Verlag Josef Habbel Regensburg, Zweite ergänzte Auflage, S 167)
[11]
(Hl.) Papst Pius X., Apostolisches Rundschreiben Pascendi Diminici
Gregis vom 8. September 1907; Freude an der Wahrheit Nr. 20, Karl
Haselböck, Wien 1977/1991, S 6
[13]
(Hl.) Papst Pius X., Apostolisches Rundschreiben Pascendi Diminici
Gregis vom 8. September 1907; Freude an der Wahrheit Nr. 20, Karl
Haselböck, Wien 1977/1991, S 8
[19]
„In unserer Zeit sind die Naturwissenschaften und ihre
Methoden immer mehr das Vorbild für alle Arten der Erkenntnis
geworden. Selbst Attribute wie "objektiv", "kritisch",
'seriös", "zuverlässig", "nüchtern" werden
mehr oder weniger mit "wissenschaftlich" identifiziert, und den Begriff
des "Wissenschaftlichen" versteht man fast ausschließlich im
Sinne der Naturwissenschaften. Die Folge davon ist, daß die
systematische Erforschung jedes Gegenstandes immer mehr von dem Versuch
beherrscht wird, die Art von Objektivierung und Neutralisierung zu
erreichen, die in Laboratorien herrscht.
Die magische Anziehungskraft,
die das Idealmodell der Naturwissenschaften auf die überklugen
Intellektuellen unserer Zeit ausübt, ist so groß,
daß es selbst da, wo sie mit Gegenständen zu tun
haben, die gänzlich von denen der Naturwissenschaft
verschieden sind, wie in Anthropologie, Soziologie und Psychologie -
ihre größte Befriedigung ausmacht, erklären
zu können, ihre Analyse sei "wissenschaftlich." Dadurch wollen
sie ausdrücken, daß ihre Untersuchungsmethode
ähnlich ist wie die der Naturwissenschaften, und vor allem,
daß sie von Philosophie unabhängig ist. Sie
verkennen die Tatsache, daß verschiedene Gegenstände
jeweils verschiedene Untersuchungsmethoden verlangen, und
übersehen dabei außerdem, daß das
gewaltsame Übernehmen naturwissenschaftlicher Methoden in
Wirklichkeit eine philosophische Stellungnahme einschließt.
Doch die Erkenntniseinstellung, die in den Naturwissenschaften so
fruchtbar ist, wird tödliches Gift, sowie man sie auf die
Wissenschaften vom Menschen anwendet. Sie führt unausweichlich
zu Oberflächlichkeit, Entstellung der Wirklichkeit und
PseudoWissenschaft.“ (Dietrich von Hildebrand, Das
trojanische Pferd in der Stadt Gottes, Verlag Josef Habbel Regensburg,
Zweite ergänzte Auflage, S 162f)
[23]
(Hl.) Papst Pius X., Apostolisches Rundschreiben Pascendi Dominici
Gregis vom 8. September 1907; Freude an der Wahrheit Nr. 20, Karl
Haselböck, Wien 1977/1991, S 56 f
[24]
Der Stolz im Vermögen des Verstandes bedeutet die Ablehnung
der göttlichen Offenbarung, die Ablehnung der unfehlbaren
Autorität der heiligen Kirche in ihrem Lehramt und die
Forderung nach der Wertfreiheit der Wissenschaften, also all jene
Strebungen, welche sich auch, wie wir schon in Teil 1 und 2 dargelegt
haben, im Modernismus wiederfinden.
[25]
Dietrich von Hildebrand, Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes,
Verlag Josef Habbel Regensburg, Zweite ergänzte Auflage, S 249
f